Theater der Zeit

Digitale Reihe

Demokratisches Theater

Teilhabe am öffentlich geförderten Theater in Deutschland, England und Frankreich

teilen:
  • Open Access

    Abkürzungsverzeichnis

    ACEArts Council England CDNCentre Dramatique National CEMACommittee for Encouragement of Music and the Arts COPContrat d’objectifs et de performance DCMSDepartment for Digital, Culture, Media and Sport DEPSDépartement des études de …

    von Maria Nesemann

1. Einleitung

  • Open Access

    1. Einleitung

    Kulturelle Teilhabe am öffentlich geförderten Theater in Deutschland, Frankreich und England: Wie Häuser sich öffnen, welche Governance-Regime dahinterstehen und warum das Verständnis von Teilhabe je nach Land historisch und kulturpolitisch unterschiedlich geprägt ist.

    von Maria Nesemann

2. Theater, Teilhabe und Demokratie

  • Open Access

    2. Theater, Teilhabe und Demokratie

    Eine Zeitreise zu historischen Momenten erhellt das Verhältnis von Theater, Demokratie und Öffentlichkeit in Deutschland, England und Frankreich. Neoinstitutionalismus, Demokratietheorien und kulturpolitische Modelle bilden eine Landkarte zur Kartierung empirischer Befunde aus den drei Ländern.

    Was zunächst als Ausflug zu disparaten, weit voneinander entfernten Reisezielen anmuten mag, soll in dieser Arbeit als Entwicklung eines Rasters, einer Landkarte mit Koordinaten verstanden werden.

    Maria Nesemann

    von Maria Nesemann

  • Open Access

    2.1 Theater und Öffentlichkeit

    Vom öffentlichen Marktplatz zum abgedunkelten Saal: Wie sich Theater, Publikum und Öffentlichkeit historisch zueinander verhielten – von der griechischen Agora über mittelalterliche Passionsspiele bis zur bürgerlichen Öffentlichkeit nach Habermas – und was das für heutige Öffnungsdebatten bedeutet.

    Das städtische Fest und speziell die Theateraufführungen waren, wie damit eindrucksvoll belegt ist, nicht Angelegenheit einer bestimmten gesellschaftlichen Schicht oder Gruppe, sondern betrafen vielmehr alle sozialen Schichten, die sich aus diesem Anlass in den Straßen und auf dem Marktplatz der Stadt zusammenfanden.

    Erika Fischer-Lichte

    von Maria Nesemann

  • Open Access

    2.2 Theater und Legitimation

    Theater muss seine gesellschaftliche Legitimität immer wieder neu begründen: Von Lessings und Schillers Idee der Schaubühne als moralischer Anstalt über Nationaltheater und öffentliches Gut bis zu aktuellen Debatten um Systemrelevanz, Publikumsschwund und rechte Kulturpolitik.

    Wenn uns der Staat oder die Gesellschaft eine Aufgabe gibt, dann wäre es auch ganz gut, wenn sie uns die Aufgabe auch ausführen lässt.

    Ulrich Khuon

    von Maria Nesemann

  • Open Access

    2.3 Kunstfreiheit, Teilhabe und Demokratie

    Kulturelle Teilhabe changiert zwischen cultural democratisation (Zugänglichkeit zu bestehender Hochkultur) und cultural democracy (Öffnung des Kulturbegriffs ohne Hierarchien) – ein theoretischer Überblick.

    von Maria Nesemann

  • Open Access

    2.4 Ein Modell für Teilhabeorientierung am Theater

    Ein Analysemodell für Teilhabeorientierung am Theater verbindet Glow et al.s achtstufiges Diversifizierungsmodell mit Ute Pinkerts drei Vermittlungsgefügen und Bianca Michaels Konzept der Neu-Formatierungen – um Demokratisierung von Kultur, Kulturelle Demokratie und Commoning in ihren Verflechtungen sichtbar zu machen.

    von Maria Nesemann

3. Theaternutzung

  • Open Access

    3. Theaternutzung

    Theaternutzung und Publikumsschwund in Deutschland, Frankreich und England: Studienlage, Eurobarometer -Daten und die Frage, wer Theater nutzt – und wer nicht angesprochen wird, trotz zunehmender Öffnungsversuche der Häuser.

    von Maria Nesemann

  • Open Access

    3.1 Deutschland

    Repräsentative Bevölkerungsbefragungen und die Theaterstatistik des Deutschen Bühnenvereins zeigen: Die Theaternachfrage in Deutschland ist seit Jahren rückläufig, verstärkt durch die Pandemie. Frauen und Ältere besuchen häufiger Theater als Männer und Jüngere – deren Publikum kehrt nach der Pandemie kaum zurück.

    Die Jüngeren, die sich in den 1970er und 1980er Jahren so sehr der Kultur zugewandt hatten, sind älter geworden. Ihre bisherigen kulturellen Praktiken aber haben sie weitgehend beibehalten. Dagegen zeichnen sich die nachwachsenden Kohorten durch ein geringeres kulturelles Engagement aus.

    Karl-Heinz Reuband

    von Maria Nesemann

  • Open Access

    3.2 England

    3.2.1 Stand der Forschung England ist in diesem Vergleich der „Champion“ der Kulturnutzungsforschung: Im Gegensatz zu Deutschland und Frankreich zählt hier die Beforschung der Nutzung öffentlicher Kulturangebote seit zwanzig Jahren …

    von Maria Nesemann

  • Open Access

    3.3 Frankreich

    Theaternachfrage in Frankreich laut Pratiques culturelles, Eurobarometer und Crédoc-Erhebungen: Anstieg der Besuche seit 1973, aber stagnierende tatsächliche Praxis, Rückgang bei Jüngeren, Nachwirkungen der Pandemie sowie Unterschiede nach Bildung, Alter und Geschlecht.

    Trotz dieser begünstigenden Faktoren […] ist nachgewiesen worden, dass […] die konkrete Rezeption, d. h. die tatsächlich beobachtete Praxis der Franzosen sich nicht nennenswert verändert hat, in einigen Fällen sogar zurückgegangen ist. Doch diejenigen, denen dieser Zugang verwehrt geblieben war, bleiben dem Angebot noch immer fern, zumindest in einem weitaus größeren Umfang, als ihr gestiegenes Bildungsniveau, ihre Kaufkraft oder die Zunahme an Freizeit es hätten erwarten lassen.

    Bérardi und Effinger

    von Maria Nesemann

  • Open Access

    3.4 Zwischenresümee

    Im Ländervergleich Deutschland, Frankreich, England zeigt sich: rückläufige Theaternachfrage, mehr weibliche Besucher:innen (außer in Frankreich), kein „nachwachsendes“ Publikum, formale Bildung als Schlüsselfaktor sowie fehlendes Interesse und Zeit als Hauptbarrieren – bei sinkender Zustimmung Jüngerer zur Theaterförderung.

    Dass langfristig das Publikum „nachwächst“, ist laut neuerer Studien aus Deutschland und Frankreich nicht zu erwarten. Eher ist von einem „Kohorteneffekt“ auszugehen: Jüngere Generationen nehmen Theaterangebote auch mit zunehmendem Alter weniger häufig wahr.

    Maria Nesemann

    von Maria Nesemann

4. Theatergovernance und kulturelle Teilhabe

  • Open Access

    4. Theatergovernance und kulturelle Teilhabe

    Theatergovernance versteht Kulturpolitik nicht als hierarchische Steuerung, sondern als Verhandlungsprozess zwischen staatlichen und zivilgesellschaftlichen Akteur:innen. Mit den Analyserastern Governance, Legitimität und Polity / Policy / Politics wird kulturelle Teilhabe an Theatern in Deutschland, England und Frankreich strukturell untersucht.

    von Maria Nesemann

  • Open Access

    4.1 Deutschland

    Kulturföderalismus und Kunstfreiheit prägen deutsche Kulturpolitik seit der Nachkriegszeit. Von der „Neuen Kulturpolitik“ der 1970er über DDR-Kulturauftrag bis zu heutigen Kulturfördergesetzen in NRW und Niedersachsen: kulturelle Teilhabe als wiederkehrendes, doch rechtlich uneinheitlich verankertes Ziel.

    Als ich angetreten bin, habe ich gesagt: Ich möchte die Kulturministerin der Demokratie und für die Demokratie sein. Ich will nicht nur Kulturverwaltung, sondern Kulturpolitik machen, den Kulturbegriff erweitern und demokratisieren, mehr Diversität, Teilhabe und Nachhaltigkeit ermöglichen.

    Claudia Roth

    von Maria Nesemann

  • Open Access

    4.2 England

    Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit ist die Theaterlandschaft Englands und damit nur ein Teil des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland: Die Regierung des Vereinigten Königreichs mit dem DCMS ist für alle kulturpolitischen …

    von Maria Nesemann

  • Open Access

    4.3 Frankreich

    Wenden wir uns dem dritten beforschten Land zu: Frankreich. Auch hier zu Beginn eine kurze historische Kontextualisierung der kulturpolitischen Entwicklungen seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Ein Jahr nach Gründung der …

    von Maria Nesemann

  • Open Access

    4.4 Zwischenresümee

    Theatersteuerung in Deutschland, England und Frankreich unterscheidet sich grundlegend: Deutschland fördert Theater dauerhaft mit großer Gestaltungsfreiheit, Frankreich bindet Förderung an Ziele der Demokratisierung, England vergibt sie befristet als NPO im Zeichen von Cultural Democracy.

    von Maria Nesemann

5. Teilhabeorientierung am Theater

  • Open Access

    5. Teilhabeorientierung am Theater

    Das folgende Kapitel widmet sich nun dem, was schlussendlich am Theater im Hinblick auf Teilhabe geschieht.1 Als qualitative empirische Studie angelegt, wird anhand von neun Fallbeispielen aus Deutschland, England und …

    von Maria Nesemann

  • Open Access

    5.1 Aufbau und Methodik der empirischen Studie

    Warum wird hier zur Untersuchung teilhabeorientierter Maßnahmen am Theater ein qualitativer Ansatz gewählt? Könnte nicht die quantitative Überprüfung von Maßnahmen viel verlässlicher Aufschluss über Unterschiede in den drei Ländern geben? …

    von Maria Nesemann

  • Open Access

    5.2 Kurzprofile der Theater

    Einen ersten Überblick über die Gesamtausrichtung der untersuchten Theater geben die folgenden Kurzprofile. Im Vordergrund stehen hierbei die Fragen: In welchen (geografischen) Kontext ist das Theater eingebettet? Welche Gesamtmission vermittelt …

    von Maria Nesemann

  • Open Access

    5.3 Wahrnehmung des eigenen Auftrags

    Wozu Theater? Die Frage nach dem eigenen Auftrag in der und für die Gesellschaft stellen sich die Theater seit jeher. Je knapper die öffentliche Förderung, umso mehr stehen die Theater …

    von Maria Nesemann

  • Open Access

    5.5 Voraussetzungen zur Teilnahme

    Die Voraussetzungen zur Teilnahme sind hier in drei Schritte untergliedert: Ticketkauf (Wie ist die Preispolitik? Wie teuer sind die Tickets? Welche Ermäßigungen gibt es? Welche Abonnement-Angebote?), Hinkommen (Gibt es Shuttleservices …

    von Maria Nesemann

  • Open Access

    5.6 Kontaktaufnahme und -pflege

    Besondere Aufmerksamkeit in dieser Untersuchung erfahren die Spielzeithefte der Theater, die einen Überblick über das gesamte Angebot des Theaters einer Spielzeit bzw. der kommenden Monate geben. In diesem Kapitel werden …

    von Maria Nesemann

  • Open Access

    5.7 Spielplangestaltung

    Teilweise fällt es schwer, die als „Spielplan“ bezeichnete Kategorie klar abzugrenzen von Angeboten, die erst in den folgenden Unterkapiteln behandelt werden. Es soll dabei nicht ausgeblendet werden, dass Theater auch …

    von Maria Nesemann

  • Open Access

    5.9 Partizipative Formate

    Partizipative Formate, die nicht-professionelle Akteur:innen zum Selber-Spielen einladen, beschreibt Pinkert als Vermittlungsgefüge „zwischen Darsteller_innen und Material/Rolle“1. Sie bezieht sich dabei vorrangig auf das im deutschen Theatersystem mittlerweile fest etablierte Format …

    von Maria Nesemann

  • Open Access

    5.11 Zwischenresümee

    Die vielen hier aufgezeigten Facetten von teilhabeorientierter Arbeit am Theater machen deutlich, an wie vielen Stellen Publikum – oder weiter gefasst Dritte, die nicht Teil der Organisationsstruktur sind – auf …

    von Maria Nesemann

6. Governance und teilhabeorientierte Theaterarbeit: Zusammenhänge

  • Open Access

    6.1 Perspektive Kulturpolitik

    Im Folgenden wird von Kulturpolitiker:innen gesprochen, dabei werden auch Personen der Kulturverwaltungen mit eingeschlossen: Die Personen, mit denen Interviews in Deutschland und Frankreich geführt wurden, sind Teil der nationalen Kulturministerien …

    von Maria Nesemann

  • Open Access

    6.2 Perspektive Theater

    Im Folgenden wird sich auf die Perspektive der Theaterschaffenden bezogen: Wie sie selbst ihren Auftrag beschreiben, wurde bereits in Kapitel 5.3 dargelegt. Hier soll es nun darum gehen: Welche Erwartungen …

    von Maria Nesemann

7. Fazit

  • Open Access

    7. Fazit

    Öffentlich geförderte Theater in Deutschland, Frankreich und England stehen vor der Aufgabe, sich zu öffnen und Teilhabe zu ermöglichen. Untersucht werden Maßnahmen, zugrundeliegende Teilhabeverständnisse sowie der Einfluss kulturpolitischer Governance-Regime – auch angesichts der Instrumentalisierung des Teilhabebegriffs durch demokratiefeindliche Akteur:innen.

    von Maria Nesemann

  • Open Access

    7.1 Legitimation im Spannungsfeld Autonomieästhetik – Teilhabeorientierung

    Sechs Legitimationsmythen des Theaters – moralisches, gemeinschaftsbildendes, öffentliches, soziales, kreatives und Marktgut – werden im Vergleich zwischen Deutschland, England und Frankreich auf ihre Verbindung zu Teilhabeverständnissen und kulturell-kognitiven Institutionen hin untersucht.

    Vor allem für das Aufspüren kulturell-kognitiver Legitimitätskriterien ist die Gegenüberstellung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden im internationalen Vergleich hilfreich, weil hier als selbstverständlich angenommene Wert- und Normvorstellungen in ihren Unterschieden deutlicher zutage treten.

    Maria Nesemann

    von Maria Nesemann

  • Open Access

    7.2 Von der Demokratisierung von Kultur …

    Demokratisierung von Kultur als Legitimationsnarrativ: Kunst gilt als autonomes, für alle zugängliches öffentliches Gut, während Vermittlungsarbeit getrennt davon organisiert wird – vom englischen Audience Development über deutsche Theaterpädagogik bis zur französischen médiation culturelle.

    Findet durch diese Projekte tatsächlich eine Transformation der Theaterstruktur statt oder ist die Unabhängigkeit, in der diese Projekte bestehen können, gleichzeitig eine Legitimierungsstrategie für das vorhandene, davon entkoppelte professionelle künstlerische Angebot?

    Maria Nesemann

    von Maria Nesemann

  • Open Access

    7.3 … zur Kulturellen Demokratie?

    Drei Ansätze Kultureller Demokratie – Cultural Democracy, radikaldemokratisches Theater, Commoning – eröffnen unterschiedliche Wege der Teilhabe: von Mehrheitsorientierung über Gegenerzählungen bis zu gemeinschaftlichem Wirtschaften jenseits von Markt und Staat.

    Es braucht also Zwischenlösungen – vorgeschlagen wurden Strukturen wie die Commons Public Partnership, die das Theaterkollektiv Staub zu Glitzer für die Volksbühne entwickelte: Es fordert von den öffentlichen Trägern die Abschaffung des Intendanzmodells und die Anerkennung von Strukturen, die ein kollektives Gestalten aus der Stadtbevölkerung heraus ermöglichen.

    Maria Nesemann

    von Maria Nesemann

  • Open Access

    7.4 Was war, was ist, was wird

    Teilhabe an öffentlich geförderten Theatern in Deutschland, England und Frankreich: unterschiedliche kulturell-kognitive Legitimationskriterien, das Verhältnis von Autonomieästhetik und Teilhabeorientierung sowie Konsequenzen für Forschung und kulturpolitische Steuerung – etwa Intendanzbesetzung, Förderrichtlinien und Diversitätsdatenerhebung.

    von Maria Nesemann

  • Open Access

    Dank

    Ich habe diese Arbeit in Kapitel 2 als Reise eingeführt. Diese Reise war eine für mich sehr besondere. Sie war oft begleitet von dem Gefühl der Dankbarkeit über das Privileg, …

    von Maria Nesemann

  • Open Access

    Literaturverzeichnis

    64 Million Artists (2018): Cultural Democracy in Practice: [Stand: 18.06.2025]. Adorno, Theodor W. (1973 [1966]): Negative Dialektik. In: Ders.: Gesammelte Schriften, Bd. 6, hg. von Rolf Tiedemann. Frankfurt am Main: …

    von Maria Nesemann

  • Open Access

    Abbildungsverzeichnis

    Abbildung 1: Zielgruppen im Audience Development, eigene Darstellung nach Bollo et al. 2017; Hayes/Slater 2002.75 Abbildung 2: Modell für Teilhabeorientierung am Theater, eigene Darstellung.129 Abbildung 3: Auswahl der Fallbeispieltheater.252 Abbildung …

    von Maria Nesemann

  • Open Access

    Verzeichnis der verwendeten Interviews

    Arts Council England 1, geführt am 30.09.2022 online. Arts Council England 2, geführt am 28.11.2022 online. Comédie de Valence, Intendanz, geführt am 24.03.2022 in Valence. Comédie de Valence, Vermittlung, geführt …

    von Maria Nesemann

Anzeige