Theater der Zeit

Frankreich

von Maria Nesemann

Erschienen in: Digitale Reihe: Demokratisches Theater – Teilhabe am öffentlich geförderten Theater in Deutschland, England und Frankreich (08/2026)

Assoziationen: Europa

Originaltitel in der Printausgabe: 3.3 Frankreich

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3.3.1 Stand der Forschung

Vom französischen Kulturministerium gibt es regelmäßig Studien zum Kulturnutzungsverhalten der Bevölkerung. Diese werden durchgeführt vom zugehörigen Département des études de la prospective, des statistiques et de la documentation (DEPS). 1963 hatte das Ministerium einen Service des études et de la recherche ins Leben gerufen mit dem Ziel, Besuchszahlen von Kultureinrichtungen zu messen und Studien zu Publikumsverhalten durchzuführen. In diesem Zusammenhang entstand unter anderem 1966 die Studie L’amour de l’art zu Publikum im Museum von Pierre Bourdieu und Alain Darbel.1 1986 wurde der Service in das Département des études et de la prospective (DEP) umbenannt, seit 2004 enthält er den Hinweis auf die Statistiken im Titel (DEPS). Ein Schwerpunkt des DEPS ist die Durchführung der nationalen Bevölkerungsbefragungen zum Kulturnutzungsverhalten Les pratiques culturelles des Français. Seit 1973 wurden sechs repräsentative Befragungen der Bevölkerung ab 15 Jahren durchgeführt und veröffentlicht (1973, 1981, 1988, 1997, 2008 und 2018). Dort abgefragt wurde unter anderem, wie oft im vergangenen Jahr die Befragten ein Theaterstück ansahen. Als Langzeitstudie angelegt, können hier Entwicklungen im Besuchsverhalten der französischen Bevölkerung im Laufe der letzten fünfzig Jahre festgestellt werden. Allerdings wird hier lediglich nach den erfolgten Besuchen bzw. der eigenen Theaterpraxis gefragt, nicht aber nach Einstellungen und Erwartungen, Besuchsmotivationen und -barrieren. Hierzu sind der Autorin nur wenige, teilweise schon sehr alte (repräsentative) Studien bekannt (beispielsweise Jean-Michel Guys und Lucien Mironers Studie Les publics du théâtre von 1988). Aktuelle Erkenntnisse zu Einstellungen dem Theater gegenüber liefert die Studie Les Français et le théâtre mit zwei Erhebungszeiträumen 2022 und 2023, durchgeführt von Médiamétrie und beauftragt durch die Association pour le soutien du théâtre privé. Aktuelle Studien, die während und nach der Pandemie durchgeführt wurden, sind außerdem eine Befragung vom Institut Harris Interactive im Spätsommer 2021 und die Erhebung Conditions de vie et aspirations des Français im Dezember 2021 und Januar 2022 vom Centre de Recherche pour l’Étude et l’Observation des Conditions de Vie (Crédoc) – zusammengeführt und interpretiert in den vom Ministerium herausgegebenen Berichten Les Sorties culturelles des Français après deux ans de Covid-192 und Les Sorties culturelles des Français et leurs pratiques en ligne en 20233. Hier werden auch Besuchsmotivationen und -barrieren in den Blick genommen. Daten zur Anzahl der Aufführungen, verkauften Karten und Einnahmen vor und nach der Pandemie liefert der vom Ministerium herausgegebene Bericht Billetterie du spectacle vivant.4 Die Entwicklung der Anzahl der Aufführungen und Besuche der Nationaltheater in den Spielzeiten vor der Pandemie ist unter anderem in dem vom Kulturministerium jährlich veröffentlichten Kurzbericht und zugehörigem Datensatz Chiffres Clés. Théâtres et arts associés nachzuvollziehen.

3.3.2 Entwicklung der Theaternachfrage

Laut der Pratiques culturelles hat es in den letzten fünfzig Jahren einen beeindruckenden Anstieg der Theaterbesuche gegeben: Gaben 1973 nur 12 % der Bevölkerung an, in den vergangenen zwölf Monaten ein Theaterstück gesehen zu haben, waren es 2018 21 % – also fast doppelt so viele.5 Allerdings lohnt sich hier ein genauerer Blick auf diese beachtliche Entwicklung: Lombardo und Wolff merken zum einen an, dass sich das Angebot im Laufe der letzten fünfzig Jahre durch die Einrichtung von labelisierten Theaterhäusern in ganz Frankreich erweitert hat.6 Das öffentlich geförderte Kulturangebot erweiterte und diversifizierte sich immens.7 Auch ist das Verständnis dessen, was der Kunstform Theater zugehörig ist, vermutlich diverser geworden.8 Außerdem habe der deutliche Anstieg von Abiturabschlüssen eine Rolle gespielt, folgern Bérardi und Effinger. Sie kommen zu dem Schluss:

Trotz dieser begünstigenden Faktoren […] ist nachgewiesen worden, dass […] die konkrete Rezeption, d. h. die tatsächlich beobachtete Praxis der Franzosen sich nicht nennenswert verändert hat, in einigen Fällen sogar zurückgegangen ist. Es wurde durch die Studie nachgewiesen, dass die Bürger, die bereits in den 70er Jahren einen Zugang zum Kulturangebot hatten, sich sehr wohl als Zuschauer oder Ausstellungsbesucher weitergebildet haben. Doch diejenigen, denen dieser Zugang verwehrt geblieben war, bleiben dem Angebot noch immer fern, zumindest in einem weitaus größeren Umfang, als ihr gestiegenes Bildungsniveau, ihre Kaufkraft oder die Zunahme an Freizeit es hätten erwarten lassen.9

Ein weiterer, nicht zu vernachlässigender Aspekt ist die unterschiedliche Verteilung in den Generationen: Die als Langzeitstudie angelegten Pratiques culturelles zeigen, dass zu den Erhebungszeitpunkten 1973, 1981, 1997 und 2008 die Theaternutzung der 15- bis 28-Jährigen jeweils anstieg (bis 30 %), zum aktuellsten Erhebungszeitpunkt 2018 aber deutlich abfällt (24 %).10 Die Eurobarometer-Daten für die Anteile der Bevölkerung, die 2007 und 2013 mindestens einmal im Theater waren, sprechen auch insgesamt für einen leichten Rückgang: Dort gaben 2007 24 % an, im Theater gewesen zu sein, 2013 waren es nur noch 21 %.11

3.3.3 Aktuelle Daten zur Theaternachfrage

Vergleicht man die Anzahl der Aufführungen und Besuche der Théâtres Nationaux in den Jahren vor der Pandemie (2014/15 bis 2018/19), sind dort leichte Schwankungen erkennbar, insgesamt jedoch bleiben sowohl die Anzahl der Aufführungen als auch die der Besuche relativ stabil. Ein leichter Anstieg ist in den Spielzeiten 2014/15 bis 2016/17 zu erkennen, dann fallen die Zahlen wieder leicht ab.12 In den Jahren nach der Pandemie scheinen sich die Anzahl der Aufführungen und Besuche erst langsam wieder einzuspielen: Die Anzahl der Vorstellungen öffentlich geförderter Theater ist 2022 wieder gestiegen (9 % mehr Vorstellungen als 2019), 2023 aber wieder gefallen (7 % weniger im Vergleich zum Vorjahr), die Ticketverkäufe verzeichneten 2022 weiterhin ein Minus (8 % weniger im Vergleich zu 2019), 2023 ein Plus (9 % mehr im Vergleich zum Vorjahr).13 Die Erhebungen vom Crédoc im Dezember 2021, Januar 2022 und Oktober 2023 liefern Erkenntnisse zum Besuchsverhalten der Bevölkerung nach der Pandemie. Zunächst einmal lässt sich feststellen, dass zum Zeitpunkt der Erhebung 23 % der Befragten angaben, 2019 im Theater gewesen zu sein, und nur 12 % 2021 und 14 % 2023.14 Fast die Hälfte der Befragten gab 2023 an, weniger kulturelle Angebote wahrzunehmen als vor der Pandemie.15

3.3.4 Zusammensetzung des Publikums

Inwiefern bestimmte kulturelle Normen und Wertvorstellungen eine Gesellschaft prägen, lässt sich auch an der Art und Weise, wie Gesellschaft beforscht wird, erkennen: Während es in Frankreich zur Frage der kulturellen Herkunft und Religion kaum Daten gibt, sind diese in England selbstverständlicher Teil von Befragungen zur Kulturnutzung. Das hängt nicht nur mit dem unterschiedlich ausgeprägten Fokus auf Audience Development zusammen, sondern auch mit den Regelungen, was beforscht werden darf: In Frankreich ist nicht erlaubt

- the processing of data of a personal nature indicating directly or indirectly the racial or ethnic origins of persons.

- the introduction of variables of race or religion in administrative records. This applied to the National directory for the identification of natural persons.16

Begründet wird dies mit Artikel 1 der Verfassung: „Frankreich ist eine unteilbare, laizistische, demokratische und soziale Republik. Sie gewährleistet die Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz ohne Unterschied der Herkunft, Rasse oder Religion. Sie achtet jeden Glauben.“17 In Deutschland und England gibt es diese gesetzlichen Regelungen nicht.

Theaternachfrage und Geschlecht

Dass Frauen häufiger ins Theater gehen als Männer, ist in den französischen Studien nicht so deutlich wie in den deutschen und englischen Befragungen erkennbar: 2008 ist er laut der Pratiques culturelles minimal (18 % Männer und 19 % Frauen gaben an, im vergangenen Jahr im Theater gewesen zu sein) und erst 2018 etwas größer (19 % Männer, 23 % Frauen). Auch in der aktuellsten Befragung vom Crédoc 2023 war das Geschlechterverhältnis ausgeglichen (13 % Männer, 14 % Frauen).18 Im Eurobarometer 2013 gaben ebenso viele Männer wie Frauen (jeweils 21 %) an, im vergangenen Jahr im Theater gewesen zu sein.19 Leichte Unterschiede bezüglich der Geschlechterverteilung lassen sich lediglich bezogen auf Tanz und Musiktheater feststellen: In der Tanzsparte ist in den Pratiques culturelles ein Unterschied seit Anfang der Erhebungen zu erkennen (zuletzt 2008: 7 % Männer und 10 % Frauen gaben an, im vergangenen Jahr ein Tanz- oder Musiktheaterstück gesehen zu haben; 2018: 7 % Männer, 11 % Frauen).20 Etwas weniger Männer als Frauen gaben auch im Eurobarometer an, ein Ballett, eine Tanzaufführung oder eine Oper gesehen zu haben (24 % Männer, 27 % Frauen).21

Theaternachfrage und Alter

Wie weiter vorn beschrieben: In allen Altersgruppen steigen in den Pratiques culturelles die Zahlen der Theaterbesucher:innen kontinuierlich an, außer bei den 15- bis 24-Jährigen, wo sie 2018 wieder um vier Prozentpunkte abfallen (2008: 28 %, 2018: 23 %). Trotzdem handelt es sich hier auch 2018 um die Altersgruppe, die am stärksten unter den Theaterbesucher:innen vertreten ist (15- bis 24-Jährige: 23 %, 25- bis 39-Jährige: 20 %, 40- bis 59-Jährige: 22 %, über 60: 20 %).22 Die aktuellsten Daten vom Crédoc 2023 zeichnen ein etwas anderes Bild: Hier ist – wie auch in Deutschland und England – die älteste Gruppe am häufigsten vertreten (15- bis 24-Jährige: 15 %, 25- bis 39-Jährige: 11 %, 40- bis 59-Jährige: 12 %, 60- bis 69-Jährige: 13 %, über 70: 20 %).

Theaternachfrage und formale Bildung

Sehr deutlich und damit ähnlich wie in den deutschen und englischen Studien sind die Unterschiede bezüglich der formalen Bildung erkennbar: Je höher der Bildungsabschluss, umso höher ist der Anteil an Theaterbesucher:innen, zeigen auch die Pratiques culturelles (für 2018: ohne Abschluss: 4 %, mit Abitur: 11 %, mit Studium: 14 %).23 Das deckt sich mit den Ergebnissen aus dem Eurobarometer 2013 (Bildungsabschluss bis 15 Jahre: 12 %, Bildungsabschluss zwischen 16 und 19 Jahren: 15 %, Bildungsabschluss mit mindestens zwanzig Jahren: 26 %)24 und den Ergebnissen vom Crédoc 2023 (kein Abschluss: 10 %, höchster Abschluss (Abitur und drei Jahre Studium oder mehr): 24 %).25

3.3.5 Einstellungen zum Theater

Eine 2016 vom Kulturministerium in Auftrag gegebene Studie fragt nach dem Kulturverständnis der französischen Bevölkerung. Auf die Aufforderung hin, Begriffe zu nennen, die die Befragten mit dem Wort „Kultur“ assoziierten, nannten 11 % den Begriff „Theater“.26 62 % der Befragten sagten aus, dass Theater für sie auf jeden Fall zur Kultur gehöre, 31 %, dass es auf den jeweiligen Fall ankomme. Noch mehr Zustimmung bekamen der Museumsbesuch, Wissenschaft, Reisen und Kochen.27 Interessant ist, dass es hierbei wenige Unterschiede in der Soziodemografie der Befragten (Alter, Einkünfte, Wohnort) gab.28 Es ist also davon auszugehen, dass auch ein Großteil derer, die selbst keine Theaterangebote wahrnehmen, Theater als wichtigen Teil des Kulturangebots verstehen. Einen Einfluss sieht man allerdings bei der Verteilung nach Bildungsabschluss: 75 % der Befragten mit Studium gaben an, Theater gehöre in jedem Falle zur Kultur (13 % mehr als der Durchschnitt).29 Auch bei der Verteilung nach Geschlecht gibt es Unterschiede: 67 % der Frauen gaben an, Theater gehöre in jedem Fall zur Kultur, bei den Männern waren es nur 57 %.30 Interessant wäre es, hier über einen längeren Zeitraum Befragungen zu machen, um zu untersuchen, ob sich das Kulturverständnis wandelt und sich beispielsweise im Zuge der „Öffnung“ von Kulturorganisationen (im Sinne Kultureller Demokratie) das Kulturverständnis erweitert. Auch ein internationaler Vergleich wäre spannend: Würden ebenso viele Deutsche angeben, dass Kochen für sie auf jeden Fall zur Kultur gehöre? Die Zustimmungswerte, die in Frankreich ebenso hoch wie für Theater sind, setzt die Studie in Zusammenhang mit der kurz vorher auf die Liste des immateriellen Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommenen französischen Küche und der zunehmenden Zahl von Kochsendungen in den vergangenen Jahren.31

3.3.6 Erwartungen an Theater, Besuchsmotivationen und -barrieren

In den Pratiques culturelles wird lediglich das Kulturnutzungsverhalten, nicht aber die Motivation dahinter abgefragt. Eine interessante Erkenntnis, die sich hieraus aber ziehen lässt, ist, dass die eigene (Amateur-)Praxis in Verbindung mit dem Besuchsverhalten als Zuschauer:in zu stehen scheint: Personen, die angaben, selbst Theater zu spielen, gingen drei- bis viermal öfter ins Theater als der Durchschnitt.32 Die Frage hier ist allerdings, welche Aktivität welche bedingt.

Eine von Médiamétrie im Mai 2023 durchgeführte Studie liefert einige Hinweise zu weiteren Erwartungen an Theater, Motivationen und Barrieren. Allerdings lag die Anzahl an Befragten, die angaben, in den letzten zwölf Monaten im Theater gewesen zu sein und Auskunft zu ihren Besuchsmotivationen gaben, insgesamt nur bei 253 Personen. Es handelt sich hier also eindeutig nicht um repräsentative Ergebnisse. Die Anzahl an Befragten, die angaben, im vergangenen Jahr weniger oder nicht im Theater gewesen zu sein, belief sich auf insgesamt 92 Personen. Aufgrund der schlechten Datenlage werden die Ergebnisse der Studie im Folgenden trotzdem herangezogen, um erste Anhaltspunkte zu geben. Auf dem ersten Platz der angegebenen Besuchsmotivationen befindet sich „Neue Stücke entdecken“ (41 %), dicht gefolgt von „Zeit mit nahestehenden Personen verbringen“ (40 %). Jeweils 38 % nannten als Grund, dass sie Vorstellungen in einem Theaterraum mögen und dass sie dadurch aus dem Alltag ausbrechen könnten.33 Die Ergebnisse sind schlecht mit denen der deutschen Studien vergleichbar, wurden doch hier Kategorien wie Preise für einen niedrigschwelligen Zugang, Angebote für Kinder und Jugendliche, Humor und Verständlichkeit nicht genannt. Die Erwartung, Theater solle als Treffpunkt fungieren, könnte in Verbindung stehen mit der Kategorie „Zeit mit nahestehenden Personen verbringen“. Dass in der französischen Studie auf den ersten Plätzen die Wertschätzung für die Kunstform Theater eine große Rolle spielte, mag auch daran liegen, dass die Befragten alle zu den Theaternutzer:innen zählten.

Als Besuchsbarrieren wurden in der Befragung vom Crédoc 2023 vor allem fehlendes Interesse (45 %), zu hohe Preise (39 %), schlechte Erreichbarkeit (34 %), anderweitige Freizeitpräferenzen (32 %) und das Gefühl, sich nicht am richtigen Platz zu fühlen (18 %), genannt.34 Zur finanziellen Besuchsbarriere ist ein Ergebnis aus der Studie von Médiamétrie erkenntnisreich: Dort sagten auch 67 % (unabhängig von ihrer Theaternutzung, die Stichprobe lag hier bei 1549 Personen) aus, dass Theaterkarten zu teuer seien, allerdings war das durchschnittlich angegebene Wunschbudget zwischen 26 und 47 Euro, was in etwa dem realen Preis einer Theaterkarte entspricht.35 Hier ist also davon auszugehen, dass viele der Befragten, weil sie Theaterangebote selbst nicht wahrnehmen, diese für teurer halten, als sie eigentlich sind. Als Besuchsbarrieren nannten die befragten Nicht- oder Weniger-Besucher:innen der Médiamétrie-Studie (Stichprobe allerdings nur 92 Personen) auf dem ersten Platz den Preis, auf dem zweiten einen Gewohnheitsverlust und auf dem dritten fehlende Zeit.36 Der Gewohnheitsverlust als neues Motiv seit der Pandemie war in den Berlin-Ergebnissen des Instituts für Kulturelle Teilhabeforschung ebenfalls erkennbar.37 Auf die Frage, was die Französ:innen dazu bringen könnte, ins Theater zu gehen, nannten die Befragten der Médiamétrie-Studie (Stichprobe 1549 Personen) zuvorderst die Kategorien Inhalt (ein bekannter Cast, aktuellere Themen, eine spektakuläre Erlebniswelt: insgesamt 50 %), Anreize (Rabatt- und Treueaktionen: insgesamt 50 %) und Komfort (ein angenehmer Ort, bessere Zugänglichkeit und Abbau von Barrieren: insgesamt 41 %).38

Auch die Eurobarometer-Studie 2013 liefert einige wenige Erkenntnisse zu Besuchsbarrieren. Gefragt nach den Gründen, warum die Befragten nicht (öfter) ins Theater gingen, war der erstgenannte Grund fehlendes Interesse (37 %), darauf folgten fehlende Zeit (17 %), zu teuer (16 %), fehlendes oder qualitativ schlechtes Angebot vor Ort (14 %) und fehlende Informationen (5 %). Die deutschen Ergebnisse waren hier sehr ähnlich. Zum Vergleich: fehlendes Interesse (43 %), fehlende Zeit (25 %), zu teuer (11 %), fehlendes oder qualitativ schlechtes Angebot vor Ort (10 %) und fehlende Informationen (2 %).39


Anmerkungen

  1. Vgl. Urrutiaguer 2023.
  2. Müller/Schreiber 2022.
  3. Garcia et al. 2024.
  4. Caïe et al. 2023 und 2024.
  5. Vgl. Lombardo/Wolff 2020, S. 6. Theaterbesucher:innen in der Bevölkerung: 1973: 12 %, 1981: 10 %, 1988: 14 %, 1997: 16 %, 2008: 19 %, 2018: 21 %. Ich beziehe mich im Folgenden auf die Daten für Theaterbesuche. Ebenfalls erhoben wurden Besuche in den Sparten Tanz, verschiedene Konzertformen und Zirkus. Für den Tanz, der im deutschen Theatersystem klassischerweise in den Mehrspartenhäusern ebenfalls vertreten ist, gelten aber ähnliche Entwicklungen (wenn auch insgesamt etwas geringere Zahlen) wie für das Theater. Vgl. Lombardo/Wolff 2020, S. 52.
  6. Vgl. Lombardo/Wolff 2020, S. 52.
  7. Vgl. Bérardi/Effinger 2005, S. 75 f.
  8. Vgl. Lombardo/Wolff 2020, S. 54.
  9. Bérardi/Effinger 2005, S. 75 f.
  10. Vgl. Lombardo/Wolff 2020, S. 54.
  11. Vgl. Europäische Kommission 2012, 2014.
  12. Vgl. Ministère de la culture 2021, S. 200.
  13. Vgl. Caïe et al. 2023, S. 13 und Caïe et al. 2024, S. 5.
  14. Vgl. Müller/Schreiber 2022, S. 9 und Garcia et al. 2024, S. 3.
  15. Garcia et al. 2024, S. 39.
  16. Institut national de la statistique et des études économiques 2016.
  17. Französische Republik 1995.
  18. Vgl. Garcia 2024, S. 6.
  19. Vgl. Europäische Kommission 2014.
  20. Vgl. Ministère de la Culture o. J. a.
  21. Vgl. Europäische Kommission 2014.
  22. Vgl. Ministère de la Culture o. J. a.
  23. Vgl. ebd.
  24. Vgl. Europäische Kommission 2014.
  25. Vgl. Garcia et al. 2024, S. 6.
  26. Vgl. Guy 2016, S. 3.
  27. Vgl. ebd., S. 8.
  28. Vgl. ebd., S. 5.
  29. Vgl. ebd., S. 12.
  30. Vgl. ebd., S. 15.
  31. Vgl. ebd., S. 7.
  32. Vgl. Urrutiaguier 2023.
  33. Vgl. Médiamétrie 2023, S. 17.
  34. Vgl. Garcia et al. 2024, S. 26.
  35. Vgl. Médiamétrie 2023, S. 19.
  36. Vgl. ebd., S. 17.
  37. Vgl. Allmanritter/Tewes-Schünzel 2023, S. 11.
  38. Vgl. Médiamétrie 2023, S. 15.
  39. Vgl. Europäische Kommission 2014.
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