Philipp Löhle, im Februar kam am Konzert Theater Bern Ihr Stück „Wir sind keine Barbaren!“ zur Uraufführung – einen Tag vor der Volksabstimmung der Initiative „Gegen Masseneinwanderung“ der Schweizerischen Volkspartei (SVP). Haben Sie geahnt, dass das Stück derart aktuell werden würde?
Nein, gar nicht. Aber nachdem das Stück fertig war, ist vor Lampedusa ein Flüchtlingsboot gesunken, und über hundert Flüchtlinge sind ertrunken. Dann war das Thema überhaupt erst einmal im Fokus. Später kam noch die Initiative dazu. Da dachte ich: Jetzt wird mein Stück von der Realität überholt.
Das Erstaunen in der Schweizer Bevölkerung über das Ergebnis der Abstimmung – sie wurde knapp angenommen – haben Sie dann aber nicht geteilt, oder?
Ich habe schon gehofft, dass wir dagegen stimmen. Man merkte aber gar keine richtige Opposition gegen die SVP – oder dass es irgendwelche Gegeninitiativen gibt. Nicht dass ich jemandem unrecht tue, aber mitbekommen hat man das nicht, plakatiert war alles mit diesem Populismus: dass die Schweiz verschwindet, dass sie überrannt wird, dass es in fünfzig Jahren keine echten Schweizer mehr gibt, wenn jetzt soundso viele Leute einwandern. Gleichzeitig unterscheidet man gute Ausländer („deutsche Fachkräfte“) und böse Ausländer („Sozialschmarotzer“).
Gibt es solches Denken nicht überall?
Genau. Das kann man...