Menschen in der Bewährung. Uraufführungen in Altenburg und Dessau
Aus TdZ 6/1989
von Volkmar Draeger
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
1. Altenburg
Altenburg als Geheimtip, Irina Pauls der Name des Magneten. Was führende Ensembles zu weiten Teilen schuldig bleiben, versucht die junge Choreographin zu leisten – das Heute für die Ballettbühne zu erschließen. Kritisches Nachdenken über unsere Zeit, unsere Gesellschaft. Entstanden sind bisher vier anregende Uraufführungen – welcher andere Choreograph unseres Landes hätte derzeit eine ähnliche Bilanz aufzuweisen?
»Die Zeit der Träume« nach eigenem Libretto ist die neueste Arbeit. Trist graue Wände mit Durchbrüchen markieren den Winkel eines Zimmers. Der Blick verfängt sich darin und fällt auf eine einsame Gestalt im schwarzen Trikot: das Mädchen. In einem sich steigernden Solo bricht sich deren Verzweiflung Bahn; ruckartig an den Kopf geführte Hände verraten Ausweglosigkeit. Zornig wirft sie ihre in Kisten verwahrte bunte Kleidung, Symbol besserer Zeiten, umher und stürzt zu Boden. Damit ist die Exposition umrissen: Ausbruchsversuch eines Mädchens aus ihrer Welt. Worin diese besteht und was ihren Zustand verursachte, beleuchten die folgenden vier Episoden.
Das Mädchen in der Clique. Schwarze Lederkleidung dominiert. Forsche Jugendliche auf der Suche nach der eigenen Identität. Man gestattet dem Mädchen nicht, mit einem Außenseiter zu flirten. Wehmütig erinnert sie sich in einem Duett der Zeit mit ihrem Freund. Ein zweites, rüdes Duett offenbart das Ausgeschöpftsein...
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