7.2. Skizzenhafte Betrachtung von vier Präsenzkonzepten
Erschienen in: Recherchen 177: Die Leiblichkeit der Texte (04/2026)
Die vorangehenden Kapitel dieser Arbeit waren durchzogen von Hinweisen auf die Präsenzqualität bestimmter, an Unterrichtssituationen oder Textanalysen aufgewiesener Grundbegriffe. So wurden im Abschnitt 2.1.3. phänomenologische »Basisbegriffe für eine präsenzorientierte Textbehandlung« entwickelt. In der Einleitung zum sechsten Kapitel »Textgestaltung und Welterschließung« wurde darauf verwiesen, dass eine performative Textbehandlung unter Zuhilfenahme der Dimensionen Sprachlich handeln, Sinnlichkeit, Räumlichkeit, Atmosphäre, Zeitlichkeit, Selbstbeziehung den auf diese Weise hörbar gemachten Texten eine eigene Gegenwärtigkeit verleihen kann. In der Einleitung zum Atmosphärenkapitel verwies schließlich der Germanist Ralf Simon darauf, dass der Begriff, der bei Brecht den Stimmungsbegriff verdrängt, nämlich der »Gestus«-Begriff, »die Unterscheidung zwischen der Sprache auf der einen Seite und der Körperwelt auf der anderen Seite außer Kraft [...]setzt.«2 Damit verwies er auf die performative Qualität des Gestus-Konzepts. Die Behandlung dieser Begriffe litt allerdings unter einem Mangel: Sie trat nicht in eine Auseinandersetzung mit der in der zeitgenössischen Theaterwissenschaft geführten Diskussion zu Präsenz und Repräsentation. Dies soll nun nachgeholt werden.
Aus Platzgründen kann von den zahllosen Veröffentlichungen zum Thema Präsenz nur eine ausführlicher berücksichtigt werden. Aus der umfangreichen Literatur seien aber vier weitere Konzepte hier wenigstens kurz skizziert, bevor der Ansatz Erika Fischer-Lichtes ausführlicher betrachtet wird. Gefragt wird nach deren möglicher Anschlussfähigkeit für die vorliegende...
















