Antigone aktuell»Berliner Antigone« in Magdeburg uraufgeführt
Aus TdZ 1/1990
von Volkmar Draeger
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Warnende Auseinandersetzung mit dem Faschismus ist eine so wichtige wie aktuelle Aufgabe. Dennoch mag es nicht wunder nehmen, daß man in diesen Monaten des landesweiten Umbruchs beim Stichwort Uraufführung zuallererst an Beschäftigung mit unserer jüngsten Vergangenheit oder der Gegenwart denkt. Die Ballettbühne einmal nicht im Nachtrab der gesellschaftlichen Ereignisse, sondern wenigstens in Parallele zu ihnen. Doch so schnell schießen wohl nicht nur die Preußen nicht, und Uraufführungen brauchen ihre Vorbereitung. Jener in Magdeburg gingen mehrere Jahre voraus. »Berliner Antigone« heißt sie – ihr Blick ist auf die Hauptstadt gerichtet, jene zuzeiten der Naziherrschaft anno 44. Die gleichnamige, wenige Seiten umfassende Erzählung des Dramatikers Rolf Hochhuth bildet den Ausgangspunkt des rund zweistündigen Werkes. Den Gehalt des schmucklos, schmerzhaft lakonisch geschriebenen Stücks Prosa gliedert das Libretto in elf unterschiedlich kurze Bilder. Während Hochhuth für die Vorgeschichte seiner Fabel mit wenigen Sätzen auskommt und beherzt den Konflikt anpacken kann, muß der Ballettlibrettist ausholen, sie in durch Tanz ausdeutbare Szenen zerlegen. Die Exposition nimmt daher fast die Hälfte des Abends ein. Daß er plastisch und nachvollziehbar erzählt, gehört zu seinen Hauptvorzügen – der Librettist hat dem Choreographen gut zugearbeitet. Beides vereint in einer Person Peter Tornew, vor Jahren erfolgreicher Ballettmeister in Magdeburg...















