Vortasten mit Risiko»kammer – tanz – theater 1« in Cottbus
Aus TdZ 3/1990
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Holger Beys Beiträge »Zimmer 15« und »So sei es« sind Choreographien, die dem Ex-EWE-Tänzer und derzeitigen Choreographie-Studenten bei Dietmar Seyffert an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst Wettbewerbs-Ehrung und Anerkennung einbrachten. Seine kuriosen Gedankenwinkelzüge mit Bloßlegung gesellschaftlicher Wahrheiten und charakterlicher Schwächen haben jenen Pointe-Effekt, den man sich als Zuschauer erhofft.
In der makabren Tanz-Anekdote »So sei es« demaskiert er die geheuchelte Anteilnahme einer Trauergemeinde bei den Abschiedsworten für Wilhelm, den vertrauten Verschiedenen. Witz der Sache: wie ein verspäteter Trauergast mit seiner Nervosität alle verwirrt und zu skurril-individuellen Reaktionen herausfordert. Diese blitzschnellen, träge-introvertierten Entäußerungen innerlicher Gedanken und Emotionen schockieren in ihrem Egoismus, ihrer Scheinheiligkeit, entsprechen aber den geheimen, erst während des Trauertratschs geäußerten Meinungen, Wünschen, Erinnerungen.
Waren das nur Typen oder schon Charaktere, die die Tänzer physisch virtuos und drastisch darstellten – jeder machte seine Figur zur Panoptikumsgestalt mit speziellen Eigenheiten. Man konnte sich aussuchen, mit welcher man sich keinesfalls identifizieren mochte.
Das Programm begann lustig. Michael Apel, der neue künstlerische Leiter des Cottbuser Balletts, überraschte mit dem getanzten Gag »Rags ... erinnerst Du Dich?« Ein Klavierspieler intoniert Ragtimes von Scott Joplin. Von der Musik animiert, beginnt ein dem Wein zusprechender Mann tänzerische Eskapaden, in die er Typen der 20er...
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