Komische Oper: »Hoffmanns Erzählungen«
Aus N-Z, 30.9.1986
von Volkmar Draeger
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Sieben Uraufführungen hat das Tanztheater-Ensemble der Komischen Oper Berlin in seiner zwanzigjährigen Geschichte herausgebracht diese jüngste ist eine der gelungensten. Das Schöpferkollektiv um Tom Schilling griff auf ein Werk zurück, das als Oper lange im Haus an der Behrenstraße Gastrecht genoß: »Hoffmanns Erzählungen«.
Bernd Köllingers so geschickt wie tanzgerecht entworfenes Libretto erweitert das Geschehen des Musikwerks um eine
zweite, biographisch getönte Rahmenhandlung und rechtfertigt die Transponierung der Geschichte in Tanz. Offenbach, der frankodeutsche Komponist, und Hoffmann, Multitalent deutscher Romantik, sind die Hauptgestalten des Werks, das, aufgeteilt in zwei Vorspiele, drei Akte und zwei Nachspiele, als geschlossenes
Ganzes in dichter Erzählweise anrührend und unterhaltsam abrollt.
Wenn der Vorhang sich öffnet, ist ein zweiter Vorhang zu sehen der eines Pariser Operettentheaters. Als auch er sich hebt, betritt Offenbach das Pult und dirigiert einen seiner berühmtesten Cancans: das Finale aus »Pariser Leben«. Tänzerinnen in knallroten Kleidern wirbeln, kreischen, enden im Spagat. Während das Publikum in den Logen des Proszeniums applaudiert, steigt der greise Meister auf die leere Bühne und sinnt über ein neues Werk die Themen aus den »Erzählungen« klingen an. Doch schon langt der Tod nach ihm. Der Muse gelingt es, Aufschub bis zur Fertigstellung der...















