Vom Alptraum Stella erlöst. »Hoffmanns Erzählungen« in der Komischen Oper Berlin
Aus TdZ 12/1986
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Wenige Tage nach der Premiere wurde Jutta Deutschland in den Primaballerina-Stand erhoben. Verdientermaßen und nicht erst für die Vier-Temperamente-Rolle, die sie in dieser Uraufführung kreierte. Obwohl ihre Hoffmann-Traumfrau Stella, die in konträrer Weiblichkeit als schillernde, doch seelenlose Puppe Olympia, als sinnlich-verführerische, doch falsche Kurtisane Giulietta, als eigensinnig-leidenschaftliche, doch todkranke Tänzerin Antonia des Dichter-Komponisten Lebens- und Schöpferkraft irritiert, zum eigentlichen Erlebnis des Abends wurde.
»Hoffmanns Erzählungen« als Ballett? In Kenntnis der unbefriedigenden Tanzversion von Peter Darrell/John Lanchberry erwartete ich mit gemischten Gefühlen die Berliner Adaption von Tom Schilling (Choreographie), Gerd Natschinski (Musik), Bernd Köllinger (Libretto). Angenehm dann die Überraschung. Dieses »Phantastische Ballett« erlebte ich als eigenständiges, genregemäßes Werk, attraktiv und bewegend dramatisch, inspiriert von Handlung und Musik des Originals von Offenbach. Daß Gerd Natschinski auf die erste Zeile seiner Partitur »Hommage à Offenbach« schrieb, ist weit mehr als eine artige Verbeugung vor dem Meister.
Dennoch, die Autoren treiben ihre Ehrerbietung Offenbach gegenüber weit, indem sie ihn selbst auf die Bühne bemühen. Er muß den Komponisten verkörpern, der dem Tod sein letztes Opus abringt. Erst wenn der Zuschauer gesehen und gehört hat, daß Offenbach für seine Operette »Pariser Leben« umjubelt wird und in ihm ein neues Werk –...
















