Schloßtheater im Neuen Palais Potsdam: »Getanzte Kostbarkeiten«
Aus TdZ 9/1986
von Volkmar Draeger
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Potsdam ist die einzige Bezirksstadt, deren Theater über kein Ballettensemble verfügt. Einmal im Jahr lockt ein Gala-Abend
mit ausländischen Gästen weitaus mehr Zuschauer an, als das Schloßtheater im Neuen Palais zu fassen vermag. Zwei Vorstellungen laufen kurz hintereinander, um annähernd den Bedarf zu decken. Spiritus rector in künstlerischer Hinsicht ist Jürgen Nitschmann, Chefdramaturg und Stellvertreter des Intendanten im Tanzensemble der DDR. Er stellt die Beiträge zusammen, schlägt die internationalen Gäste vor, moderiert auf sehr persönliche Weise das Programm.
Die lange Liste jener Tänzer, die auf der nicht eben großen Bühne im stilvollen barocken Schloßtheater ihr Können demonstrierten, läßt den organisatorischen Aufwand ahnen, der den »Getanzten Kostbarkeiten« vorangeht. Das Moskauer Bolschoi entsandte Juri Wasjutschenko, die Grand Opéra Paris seine Stars Wilfride Piollet und Jean Guizerix, aus Rom kamen die Solisten Diana Ferrara und Tuccio Rigano. Zu Gast waren weiterhin Tänzer der Opernhäuser Budapest, Warschau, Bukarest, Sofia, Prag, Bratislava, Timişoara, Tallinn, Kiew, Alma-Ata – und natürlich Berlin sowie Dresden.
Vier Paare aus vier Ländern gestalteten die diesjährige, bereits achte Gala. Den souveränsten Eindruck hinterließen Sita Errs und Aiwar Leimanis aus Riga mit dem Grand Pas de deux...
















