Theater der Zeit

Theater - Gegenwart - Plattform

von Andrea Zagorski und Thomas Engel

Erschienen in: Dialog 1: Plattform I – Gegenwartstheater (01/2003)

Assoziationen: Dramatik

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Im Theater drückt sich Gegenwart aus, lebendig und in Echtzeit. Ein internationaler Austausch von aktuellen Stücken ist die Einladung zum grenzüberschreitenden Teilhaben an der Unterschiedlichkeit europäischer Gegenwarten. „Der Begriff der Plattform", sagt Harald Szeemann in seinem Konzept der Biennale Venedig 1999, „hat vielerlei Bedeutungen: eine erhöhte Ebene, Grundlage, Fundament; eine Bühne, eine große Fläche, auf die man schauen und von der man Ausschau halten kann; sie ist Subjekt und Objekt zugleich, ein Ort der passiven Aktion und der aktiven Passion".

Der ideale Ort für den Austausch von Gegenwartstheater.

Dieses Buch ist eine doppelte Premiere: Mit der 1. Internationalen Plattform Gegenwartstheater, die hier ihre ausländischen Stücke vorstellt und Einblick in ihre Werkstatt gibt, beginnt „Theater der Zeit" mit DIALOG eine neue Buchreihe. Sechs bisher unübersetzte Texte, die bereits einiges hinter sich haben, sind hier versammelt. Sie wurden von Dramaturgen, Regisseuren und Übersetzern ausgewählt. Besonderer Dank gebührt dabei den Übersetzern: Menschen, die Theater und Alltagskultur wenigstens zweier Sprachen sehr genau kennen und lieben und die mit sanfter Beharrlichkeit Texte und Theater zusammengebracht haben. Unabhängig von den kurzzeitigen und punktuellen Trends des Marktes entstand so eine Auswahl von je zwei Stücken aus dem Französischen, Englischen und Finnischen, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Denise Bonals ineinander fließende Skizzen von Abschieden und Ankünften kontrastieren mit Rémi De Vos' Stakkato-Szenen französischer Underdogs oder Tom McGraths surrealem „Zug der Träume". Die zerplatzende Familienidylle unter Torben Betts „Listening Heaven" ist so ganz anders als die in den Weiten Finnlands Wahnsinn und Einsamkeit trotzenden Rumpf-Familien Reko Lundáns oder die poetischen Bilder der am Frauen- und Königsbild ihrer Zeit scheiternden „Königin C" Laura Ruohonens. Diese Stücke - aus Deutschland kamen Sibylle Bergs „Helges Leben" und „Täglich Brot" von Gesine Danckwart dazu - wurden in Workshops gemeinsam mit Autoren und Übersetzern analysiert und diskutiert, man probierte Übersetzungsvarianten aus und deutete Sprachbilder. In szenischen Lesungen und Inszenierungen haben sie mittlerweile das Theater und sein Publikum erreicht. Die ausländischen Inszenierungen gastieren in den Ursprungländern der Stücke und laden ein, sich mit der „Spiegelung des Eigenen im Fremden" auseinander zu setzen. In der Plattform, initiiert vom deutschen Zentrum des Internationalen Theaterinstituts und unterstützt von der EU, begleiten Partner aus England, Finnland, Frankreich, Luxemburg und Deutschland diese Stücke fördernd dorthin, wo sie sich zu bewähren haben: auf die Bühne. Und dort werden sie auch weiter zu sehen sein, in verschiedenen Sichten und Sprachen, vor einheimischem und ausländischem Publikum. Es war ein schöner und abenteuerlicher Weg. Eindrücke davon, Bilder, Töne, Manuskripte, Arbeits- und Materialproben aus den Text-Werkstätten und Theatern sind auf der diesem Band beigelegten CD festgehalten.

Wir wünschen uns, dass diese Anthologie der ersten Plattform - weitere sollen folgen - neugierig macht auf das Leben unserer europäischen Nachbarn und auf ihr Theater, das davon erzählt.

Andrea Zagorski und Thomas Engel
Berlin, Februar 2003

 

Im Theater drückt sich Gegenwart aus, lebendig und in Echtzeit. Ein internationaler Austausch von aktuellen Stücken ist die Einladung zum grenzüberschreitenden Teilhaben an der Unterschiedlichkeit europäischer Gegenwarten. „Der Begriff der Plattform", sagt Harald Szeemann in seinem Konzept der Biennale Venedig 1999, „hat vielerlei Bedeutungen: eine erhöhte Ebene, Grundlage, Fundament; eine Bühne, eine große Fläche, auf die man schauen und von der man Ausschau halten kann; sie ist Subjekt und Objekt zugleich, ein Ort der passiven Aktion und der aktiven Passion".

Der ideale Ort für den Austausch von Gegenwartstheater.

Dieses Buch ist eine doppelte Premiere: Mit der 1. Internationalen Plattform Gegenwartstheater, die hier ihre ausländischen Stücke vorstellt und Einblick in ihre Werkstatt gibt, beginnt „Theater der Zeit" mit DIALOG eine neue Buchreihe. Sechs bisher unübersetzte Texte, die bereits einiges hinter sich haben, sind hier versammelt. Sie wurden von Dramaturgen, Regisseuren und Übersetzern ausgewählt. Besonderer Dank gebührt dabei den Übersetzern: Menschen, die Theater und Alltagskultur wenigstens zweier Sprachen sehr genau kennen und lieben und die mit sanfter Beharrlichkeit Texte und Theater zusammengebracht haben. Unabhängig von den kurzzeitigen und punktuellen Trends des Marktes entstand so eine Auswahl von je zwei Stücken aus dem Französischen, Englischen und Finnischen, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Denise Bonals ineinander fließende Skizzen von Abschieden und Ankünften kontrastieren mit Rémi De Vos' Stakkato-Szenen französischer Underdogs oder Tom McGraths surrealem „Zug der Träume". Die zerplatzende Familienidylle unter Torben Betts „Listening Heaven" ist so ganz anders als die in den Weiten Finnlands Wahnsinn und Einsamkeit trotzenden Rumpf-Familien Reko Lundáns oder die poetischen Bilder der am Frauen- und Königsbild ihrer Zeit scheiternden „Königin C" Laura Ruohonens. Diese Stücke - aus Deutschland kamen Sibylle Bergs „Helges Leben" und „Täglich Brot" von Gesine Danckwart dazu - wurden in Workshops gemeinsam mit Autoren und Übersetzern analysiert und diskutiert, man probierte Übersetzungsvarianten aus und deutete Sprachbilder. In szenischen Lesungen und Inszenierungen haben sie mittlerweile das Theater und sein Publikum erreicht. Die ausländischen Inszenierungen gastieren in den Ursprungländern der Stücke und laden ein, sich mit der „Spiegelung des Eigenen im Fremden" auseinander zu setzen. In der Plattform, initiiert vom deutschen Zentrum des Internationalen Theaterinstituts und unterstützt von der EU, begleiten Partner aus England, Finnland, Frankreich, Luxemburg und Deutschland diese Stücke fördernd dorthin, wo sie sich zu bewähren haben: auf die Bühne. Und dort werden sie auch weiter zu sehen sein, in verschiedenen Sichten und Sprachen, vor einheimischem und ausländischem Publikum. Es war ein schöner und abenteuerlicher Weg. Eindrücke davon, Bilder, Töne, Manuskripte, Arbeits- und Materialproben aus den Text-Werkstätten und Theatern sind auf der diesem Band beigelegten CD festgehalten.

Wir wünschen uns, dass diese Anthologie der ersten Plattform - weitere sollen folgen - neugierig macht auf das Leben unserer europäischen Nachbarn und auf ihr Theater, das davon erzählt.Berlin, Februar 2003

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