4.1. Äußere und innere Vorbedingungen
Erschienen in: Recherchen 177: Die Leiblichkeit der Texte (04/2026)
Wortbedeutungen und Satzsinne
Im Kapitel »Hören lernen« stand die »sprachlautliche Schicht« im Vordergrund des Interesses; im kommenden Kapitel wird – Ingardens zweiter Schicht des literarischen Kunstwerks entsprechend – der gedankliche Mitvollzug des Textes im Mittelpunkt stehen.
Man könnte aus sprechwissenschaftlicher Sicht in Zweifel ziehen, ob es angemessen sei, die zweite Schicht als die der »Wortbedeutungen, Satzsinne und Satzzusammenhänge« zu bezeichnen, wie Ingarden es tut. Strukturiert der Darsteller seinen Text nicht eher nach »Sinneinheiten« als nach Sätzen? Der scheinbare Widerspruch lässt sich vielleicht so auflösen: Was dem Leser entgegentritt, wenn er ein Buch aufschlägt, sind unzweifelhaft Sätze. Aber im »Aktualisieren der Satzsinne« strukturieren sich diese Sätze (sofern sie nicht sehr kurz sind) nach »Sinneinheiten«. Die zweite Schicht wäre also benennbar als die sich nach Sinneinheiten strukturierende Schicht der Wortbedeutungen, Satzsinne und Satzzusammenhänge.
Der scheinbar einfachen Aufgabe, Sätze und Satzzusammenhänge beim Sprechen »sinnfassend« zu strukturieren, stellen sich bei uns allen immer wieder hartnäckige Hör- und Sprechmuster entgegen. Wie man ihnen auf die Spur kommt und wie sie aufzulösen sind, wird in diesem Kapitel ausführlich erörtert werden.
Auch an Ingardens Gliederung literarischer Werke bewährt sich der im Theoriekapitel im Abschnitt 2.1.4. entwickelte Gedanke der Zugangsweisen: Die Schichten fungieren tatsächlich wie Filter, welche...
















