Stück
Fake Jews: Eine Autofiktion
von Noam Brusilovsky
Erschienen in: Theater der Zeit: Bühnenmütter und Mütternarrative (03/2026)
Assoziationen: Stücke
Zum Stückgespräch mit dem Autor
1.
Neulich ruft mich mein Freund David an und fragt mich, ob er sich meine Kippa leihen könnte. David ist Schauspieler. Er erzählt mir, dass er ein Casting für eine Fernsehserie hat. Er soll einen jüdischen Anwalt spielen und deshalb möchte er „richtig jüdisch aussehen“.
Diese Kippa schenkte mir meine Mutter zur Bar Mizwa. Auf der Kippa ist mein Name mit hebräischen Buchstaben gestochen. Sie sieht so aus, als hätte man sie aus einem Theaterfundus geholt. Auf meinem Kopf sieht sie fast wie ein Stück Verkleidung aus. Und ich trage sie nur zu seltenen Anlässen, wenn ich sie tragen muss – wenn ich eine Synagoge zu den Hohen Feiertagen betrete oder wenn ich einen jüdischen Friedhof betrete. Ich habe keine Angst, mich als Jude in der Öffentlichkeit identifizieren zu lassen – habe bloß keinen Bock, ständig den Juden für die Goyim zu spielen.
Ich sage David, er braucht sich doch keine Kippa auf den Kopf zu setzen, um jüdisch auszusehen, er sieht schon jüdisch genug aus.
David ist ein ziemlich hübscher Kerl – er ist athletisch, hat schöne dunkle Locken und braune Augen. Seitdem ich ihn kenne, bewegt er sich in jüdischen Kreisen und kennt...

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