Gespräch
Das Wohnzimmer als großes Theater
Noam Brusilovsky über sein Stück „Fake Jews“ im Gespräch mit Thomas Irmer
von Thomas Irmer und Noam Brusilovsky
Assoziationen: Deutsches Theater (Berlin)

Hast du denn jemals einen Fake Jew persönlich kennengelernt?
Noam Brusilovsky: Es gibt viele Leute, bei denen ich das ahne. Wenn Leute anfangen, von einem jüdischen Familienanteil zu erzählen, und das habe ich schon öfter erlebt, stelle ich das immer infrage. Es ist immer eine Vermutung und es passiert mir sehr oft, dass ich denke, etwas stimmt nicht in den Erzählungen, die ich mitbekomme. Und da ist es immer ein Anteil der Familie, der vorgebracht wird. Wenn jemand sagt, meine Eltern sind jüdisch und ich bin eigentlich jüdisch aufgewachsen, aber ich hatte keine Ahnung davon, das geht ja gar nicht. Also es muss immer jemand in der Familie sein, wo sie nicht genau wissen, in welchem Zusammenhang das wieder neu entdeckt steht. Und es gibt auch viele Menschen, die auf andere Weise Nähe zum Jüdischsein leben. Z. B. eine gute Freundin von mir, die nicht jüdisch ist und nicht jüdisch geboren wurde, aber eine unglaubliche Nähe zum Judentum hatte und so ganz viele jüdische Feiertage gefeiert hat, ohne sich konvertieren zu lassen. Sie hatte aber nie behauptet, sie wäre Jüdin. Das gibt es auch mit dem Buddhismus, wo man sich eine Religion aus dem Fernen Osten holt....



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