Leonhard Burkhardt, Shirin Ali, Larissa Voulgarelis, Sarah Zastrau und Jessica Higgins in „Als die Menschen Götter waren“ von Amir Gurdazi in der Regie von FX Mayr am Nationaltheater MannheimFoto: Maximilian Borchardt
In der Großstadt Berlin kämpft der Paketbote Mazlum um Überleben. Er liefert Handys, Knieschienen und Socken, „alles aus China“. Treppe um Treppe rennt der Exil-Kurde herauf und herunter. Unter der Last bricht der junge Mann fast zusammen. Er wird zum Opfer der Konsumwut. In Amir Gudarzis vom Mythos inspirierter Dystopie „Als die Götter Menschen waren“ tragen die Menschen die Last, die ihnen die Götter ausgebürdet haben. Damit sie selbst nicht mehr arbeiten müssen, erschufen sie ihre Ebenbilder und schickten sie auf die Erde. Der Hausautor des Nationaltheaters Mannheim lässt in seiner Dramaturgie Raum und Zeit hinter sich. Aus dem Lautsprecher dröhnt der Techno-Sound der schweizer Bassistin Martina Berther: „Puppen, Barbies, Klamotten.“ Die Reichen kaufen. Die Armen lassen sie schuften. Diese sozialen Gräben reißt der Schauspieler Leonard Burkhardt mit seiner Figur auf.
Plakatives Gegenwartstheater ist nicht die Sache von Amir Gudzari. In einer globalisierten Welt, die keine Grenzen mehr kennt, beamt der iranisch-österreichische Autor sein Publikum wie in einem Raumschiff durch die Epochen. Dabei bleibt er doch nah an der politischen Wirklichkeit des 21. Jahrhunderts. Dieses Spiel zwischen Traum und Wirklichkeit übersetzt der Regisseur FX Mayr in große, verstörende Bilder. Seinen Text schrieb Gudarzi als Auftragswerk für das Nationaltheater. Dabei ließ...