Endlich geht es beim Theatertreffen wieder nur um die Kunst. Endlich keine außerästhetischen Kriterien mehr, keine „Nebenbedingungen“, die die Exzellenz der Zehnerauswahl am Ende noch hemmen, endlich wirklich nur noch das, was bemerkenswert ist. So jedenfalls ein Teil der Begründung, mit dem die Theatertreffen-Jury die Abschaffung der Frauenquote für die Festivalausgaben 2027 und 2028 verkündet hat. Das klingt auf den ersten Blick nach Gerechtigkeit. Diese Rückkehr zur vermeintlichen Neutralität ist allerdings alles andere als unschuldig. Sie blendet aus, dass der Zustand, in den man nun zurückkehrt, kein natürliches Ideal, sondern ein historisch gewachsenes Ungleichgewicht ist – mit einem massiven Männerüberhang in Regie und Leitungspositionen sowie einer Kanonbildung, die männliche Handschriften seit Jahrhunderten bevorzugt. Wenn in diesem Feld behauptet wird, es gehe „nur um die Kunst“, ist das auch eine Entscheidung für die Fortsetzung genau dieser Schieflage – nur eben ohne lästigen Hinweis darauf.
Gehen wir einen Schritt zurück. Seit 2020 galt: Mindestens die Hälfte der zehn beim Theatertreffen eingeladenen Inszenierungen musste von Regisseurinnen oder überwiegend weiblichen Kollektiven stammen. Grund dafür waren Datenerhebungen des Bühnenvereins und des Deutschen Kulturrats, die zeigten, dass der Anteil von Regisseurinnen in der Spielzeit 2018/2019 bei lediglich 28,1 Prozent lag. Das spiegelte sich natürlich auch...
Erschienen am 19.5.2026
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