Originaltitel in der Printausgabe: III. Episteme, Ästhetiken und das Gedächtnis der Szenografie
Situationen in der Ausstellung Opéra Monde (Die Oper als Welt. Die Suche nach einem Gesamtkunstwerk), Centre Pompidou-Metz, 2019/2020,Małgorzata Szczęśniak, L‘Affaire Makropoulos, King Kong, Bühnenbildelement, Opéra National de Paris 2007Foto: Jacqueline Trichard / Centre Pompidou-Metz 2019
Mit Blick auf exemplarische künstlerische Strategien wurde im vorigen Kapitel aufgezeigt, wie Szenograf:innen im Gegenwartstheater Räume für Inszenierungen entwerfen und – metaszenografisch über einzelne Produktionen hinaus – Auseinandersetzungen mit Bühne/Bühnenformen, mit der Materialität, Medialität und Technizität von (Bühnen-)Räumen sowie mit den in ihnen eröffneten Potenzialen des Handelns, Erlebens und ästhetischen Wahrnehmens anstoßen. Indem sie Konstellationen des Zeigens/Wahrnehmens, der Interaktion und der ästhetischen Erfahrung entwerfen, initiieren sie künstlerische Befragungen der Gestaltung, Darstellung bzw. Herstellung sowie der Sozialität von Räumen. Reflektiert werden basale Fragen der Bühne – verbunden mit Fragen nach dem kulturellen Wandel von Raumauffassungen und den vielfältigen Faktoren, die (im Zeichen insbesondere von Digitalisierung, Transkulturalität und post/dekolonialer Perspektiven) paradigmatisch als Spatial Turn diskutiert werden.1 Im Zuge vielfältiger Explorationen der Bühne als Heterotopie stehen, wie deutlich wurde, traditionelle Auffassungen der Funktion des Szenografischen als ‚Ausstattungskunst‘ lange schon zur Disposition – zugunsten veränderter Begrifflichkeiten, die Szenografie als gestaltende, experimentierende oder auch künstlerisch forschende und nicht zuletzt als diskursive Praxis beschreiben (vgl. Kap. I.2. und II.2.). Mit dem Hinweis auf die vielgestaltigen (Selbst-)Thematisierungen und Reflexionen des Theaters als ‚Raumkunst‘ sprechen Künstler:innen, wie etwa der Berliner Bühnenbildner und Mediendesigner Oliver Proske, gegenwärtig sogar vom „szenografischen Zeitalter“, in...
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