Erinnerungen eines Theaterkindes
von Sarah Mössner
Erschienen in: Mutige Sprünge und große Wellen – 40 Jahre theater pfütze (06/2026)
Meine erste Erinnerung an Theater ist bis heute unvergesslich: Ich sitze im Publikum der Freilichtbühne im Fürther Stadtpark. Es ist eine laue Sommerabendstimmung, und die kribbelnde Vorfreude lässt mich fast von der hölzernen Sitzbank abheben. Die Aufführung von Lippels Traum ist in vollem Gange. Mein Vater spielt die Hauptrolle – er ist Lippel, springt mit ungestümer Energie über die Bühne. Eine wilde Verfolgungsjagd durchs Bühnenbild hält mich und die anderen Zuschauer:innen in Atem. Plötzlich hüpft Lippel auf die Mauer, die die Bühne vom Abgrund dahinter trennt. Mein Vater, also Lippel, also mein Vater, stürzt sich in die Tiefe und verschwindet aus dem Sichtfeld. Schockstarre – bis mich mein Vater nach der Vorstellung umarmen und trösten konnte.
Doch je mehr Theatererfahrungen ich sammelte, desto besser konnte ich zwischen Spiel und Realität navigieren. Statt Angst zu haben, kletterte ich meinem Vater immer öfter nach Vorstellungen auf den Arm. Stolz ließ ich mich vor den Augen der Zuschauer:innen im Foyer herumtragen, während er Unterhaltungen führte – bis heute eine Tradition des Pfütze-Ensembles, wenn auch inzwischen ohne meine Beteiligung.
Besonders nach Aufführungen von … und raus kommst du! merkte ich, dass auch andere Zuschauer:innen Probleme hatten, die verschiedenen Welten auseinanderzuhalten. Einige fragten mich, ob...















