6.5. Selbstbeziehung
Erschienen in: Recherchen 177: Die Leiblichkeit der Texte (04/2026)
Textvortrag: Echo des Textes oder Selbstausdruck?
In dem folgenden Zitat, das in der Einleitung schon zitiert wurde, macht Hartmut Rosa die Vertrautheit mit sich selbst davon abhängig, dass der Mensch in der Lage ist, mit seiner räumlichen, zeitlichen und sozialen Umwelt in Beziehung treten zu können: »Wenn wir tatsächlich von der Zeit, von Raum, von den Handlungen, Erfahrungen und Interaktionspartnern unseres Lebens entfremdet sein sollten, dann können wir ein Gefühl der tiefen Selbstentfremdung kaum vermeiden.« Denn laut Rosa »entstehen ein Selbstgefühl und eine Identität just aus ebendiesen Handlungen, Erfahrungen und Beziehungen, also daraus, wie wir in Raum und Zeit und in der sozialen Welt sowie der Welt der Dinge ›verortet‹ sind (und uns selbst verorten).«
Wenn dem so ist, brauchen wir, nachdem in den vorangegangenen Kapiteln zu Räumlichkeit, Atmosphären, Zeitlichkeit, Sinnlichkeit (und im fortlaufenden Verweis auf die performative Funktion sprachlichen Handelns) über die Entfaltung literarischer Texte Weltbeziehungen angebahnt wurden, noch ein eigenes Kapitel zur Selbstbeziehung. Dabei scheint die Etablierung einer umfassenden Weltbeziehung durchaus eine notwendige, keineswegs aber schon eine hinreichende Voraussetzung für eine gelingende Selbstbeziehung zu sein:
Auf der Seite des Subjekts kann Weltbeziehung misslingen, weil sich das Subjekt »verhärtet« oder verschließt, wenn es starr wird...
















