Die zweite Raumzeitmaterialisierung
von Kevin Rittberger und Teresa Kovacs
Erschienen in: Der Messingkauf im Curazän – Eine Ästhetik der Verschränkung (02/2026)
Assoziationen: Dossier: Bertolt Brecht

Das, was ich gerade sehe, ist nicht unabhängig von mir. Eine direkte Gegenüberstellung dieser Roterfahrung, die ich jetzt habe, mit derjenigen, von der andere sprechen, ist niemals möglich. Das Rot und das Subjekt der Roterfahrung sind auf einer Ebene, beide sind in die Wahrnehmungswelt verflochten, beide gehen aus dieser Verflechtung hervor. Der Blick ist kein rezeptives Behältnis, das sich mit allen möglichen Qualitäten befüllen lässt. Das Rot ist ein Knoten der allgemeinen Verflechtung des sichtbaren Gesehenen und des unsichtbaren Sehens, es gehört mit all seinen Fasern dem Webstoff des Sichtbaren und dadurch auch einem Webstoff des unsichtbaren Seins an. Also das rote Kleid etwa ist eine Zeichensetzung im Feld der roten Dinge, das die Dachziegel, die Fahne der Grenzwächter und der Revolution, gewisse Böden bei Aix oder auf Madagaskar umfasst. Auch das Rot der kartografierten Hitzewellen ist mit meinem Blick verflochten. Und dein Rotstift. Das Rot bleibt nicht gleich, sondern verändert sich je nachdem, ob es in dieser oder einer anderen Konstellation auftritt. Auch die heroischen Szenen aus Sergej Eisensteins Schwarz-Weiß-Film Oktober beispielsweise haben sich in meiner Rotwahrnehmung sedimentiert. Die Rotwahrnehmung lässt sich nicht von der konkreten Situation lösen, in die sie verflochten ist. Und doch sperrt sie uns gerade...



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