2.10. Rückblick und Ausblick
Erschienen in: Recherchen 177: Die Leiblichkeit der Texte (04/2026)
2.10.1. Intentionaler und nicht-intentionaler Verständnishorizont: Didaktische Perspektiven
In einem einleitenden Abschnitt dieses Kapitels (2.1.6.) wurde zwischen einem intentionalen und einem nicht intentionalen Weltzugang unterschieden, und es wurden Parallelen zum Schauspielerberuf gezogen: Dieser benötige gleichermaßen Darstellerinnen und Darsteller, die einerseits mit Intentionswechseln spielen könnten, andererseits sich einzulassen vermöchten auf den Spielpartner und das (durch Bühnenbild, Beleuchtung, Musik u. a. geschaffene) atmosphärische Umfeld. Angekündigt wurde, dass sich in der Beschreibung der Unterrichtssituationen beide Weltverhältnisse wiederfänden: eine intentionale Betrachtungsweise und ein nicht intentionaler, »pathischer« Zugang zu Text und Welt.
Beim Sichten der einzelnen Arbeitssituationen, und im Blick darauf, wie die entsprechenden Aufgaben gelöst wurden, könnte rückblickend der Eindruck entstehen, als habe in der Mehrzahl der Fälle doch der intentionale Ansatz dominiert. Bezugnahme stand mehrfach im Mittelpunkt: zu einer imaginierten Schneewand (2.3.2.), zum weit dimensionierten Zuschauerraum (2.4.1.), zu einem aggressiven Kampfpartner (2.5.1.), einem herausfordernden jungen Mann und gleich im Anschluss zu einem von inkohärenten männlichen Attributen bevölkerten Sehnsuchtsraum (2.6.1.), schließlich zu einer künstlich angelegten Hügellandschaft, die Schauplatz eines epochemachenden Ereignisses wird (2.7.1.). Bezugnahme ist ohne intentionale Aktivität nicht zu denken.
Kam also der nicht intentionale Ansatz zu kurz?
Vom Ende dieses Kapitels aus gesehen muss man sagen: Diese Frage ist unglücklich gestellt. Sie suggeriert,...
















