7.4. Präsenz in der sprechpädagogischen Praxis
Erschienen in: Recherchen 177: Die Leiblichkeit der Texte (04/2026)
Rückblickend auf die Auseinandersetzung mit dem Ansatz Erika Fischer-Lichtes lässt sich sagen: Die vorliegende Untersuchung – und, allgemeiner gesprochen, die gegenwärtige Sprechpädagogik überhaupt – teilt mit Fischer-Lichte die Suche nach Präsenz.
Für Fischer-Lichte vollzieht sich diese Präsenz in einer energetischen Aufladung der Schauspielerleiblichkeit, die sich von der Bindung an Text und Figur (nahezu) unabhängig gemacht hat. Unterrichtende und Studierende dagegen lassen sich im Sprechunterricht auf die gemeinsam zu bewältigende Aufgabe ein, an der präsenten Verkörperung bzw. Verleiblichung eines Textes zu arbeiten: Es geht, so könnte man relativ präzise formulieren, um »embodied text«.
Vermutlich ist »Präsenz im sprachlichen Auftritt« überhaupt das grundlegende Kriterium, auf das sich alle Sprechpädagoginnen und -pädagogen in ihrer Arbeit einigen könnten. Wir alle folgen dabei als Unterrichtende dem einfachsten Kriterium für sprecherische Präsenz: Hören wir zu?
Über die Funktionen, die diesem Zuhören beigemessen werden, kommen allerdings weitere Kriterien hinzu:
– Zwingt uns der oder die Studierende zum Zuhören?
Schlägt uns der Vortrag in den Bann?
– Motiviert er uns, im Moment zu sein?
– Kommen wir als Angesprochene in Bewegung?
Werden wir als Zuhörer veranlasst, uns zu dem zu verhalten, was wir hören?
– Geraten wir – über nicht vorhersehbare Momente des darstellerischen Agierens – in...
















