Theater der Zeit

Governance und teilhabeorientierte Theaterarbeit: Zusammenhänge

von Maria Nesemann

Erschienen in: Digitale Reihe: Demokratisches Theater – Teilhabe am öffentlich geförderten Theater in Deutschland, England und Frankreich (08/2026)

Originaltitel in der Printausgabe: 6. Governance und teilhabeorientierte Theaterarbeit: Zusammenhänge

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Ziel der beiden vorangegangenen Kapitel dieser Arbeit war, teilhabeorientierte Theaterarbeit in Deutschland, Frankreich und England zu kartieren – anhand der Beschreibung der jeweiligen kulturpolitischen Förder- und Regelsysteme und anhand der Maßnahmen für Teilhabeorientierung am Theater. Im letzten Schritt soll es nun darum gehen, zu untersuchen, wie die Akteur:innen aus der Kulturpolitik und den Theatern diese „Landkarte“ aus kulturpolitischem System und Arbeit an den Theatern beschreiben, welche kulturpolitischen Maßnahmen sie in diesem Zusammenhang nennen und wie sie die Zusammenarbeit mit der jeweils anderen „Partei“ – der Kulturpolitik bzw. den Theaterschaffenden – einordnen. Hier ebenfalls miteinbezogen wird, dass Governance sich im Verständnis dieser Arbeit nicht auf staatliche Kulturpolitik bezieht, sondern ebenfalls durch andere Akteur:innen und zugrunde liegende Wert- und Normvorstellungen geprägt ist. In die Untersuchung fließen Interviews mit jeweils zwei Kulturpolitiker:innen in Deutschland, England und Frankreich ein, die mit den im vorangegangenen Kapitel bereits in den Blick genommenen 29 Interviews mit den Leitungen und Mitarbeiter:innen aus Öffentlichkeitsarbeit und Vermittlung der neun Fallbeispieltheater in Bezug gesetzt werden. Der Zeitraum, in dem die Interviews geführt wurden, war – wie in Kapitel 5 bereits erwähnt – von einem alle drei Theatersysteme betreffenden Ereignis geprägt: Die COVID-19-Pandemie führte dazu, dass in allen drei Ländern 2020 bis 2022 mehrfach über teils mehrere Monate der Spielbetrieb eingestellt werden musste. Die Interviews mit den Kulturpolitiker:innen aus den drei Ländern wurden zum Großteil digital im Zeitraum von März 2022 bis Februar 2023 geführt. Die Gespräche wurden mit Hilfe eines semistrukturierten Leitfadens umgesetzt, der jeweils im Fall der Kulturpolitik-Interviews und der Theater-Interviews ähnlich aufgebaut war, um eine jeweilige Bezugnahme auf die anderen Interviews zu ermöglichen. Auch die Personen aus der Kulturpolitik wurden zunächst nach ihrem eigenen Auftrag und dem Auftrag, den sie den Theatern zuschreiben, befragt. Sie wurden nach ihrer Einschätzung dazu gebeten, welche von anderen Akteur:innen an die Theater herangetragenen Erwartungen sie wahrnehmen und welche Erwartungen von den Theatern an die Kulturpolitik herangetragen werden. Ähnlich wie die Theaterschaffenden wurden die politischen Akteur:innen nach ihrer Wahrnehmung von Veränderungen in der Nachfrage nach Theater und den Zielen, Konzepten und Strategien von Maßnahmen für eine verbesserte Teilhabe befragt. Zusätzlich wurden die verschiedenen politischen Steuerungsebenen thematisiert: Es wurde nach der Zusammenarbeit mit den Theatern, anderen nicht-staatlichen Akteur:innen und anderen staatlichen Akteur:innen (z. B. auf lokaler Ebene) gefragt, nach der Rolle öffentlicher Förderung im Verhältnis zu anderen Einnahmequellen und den Einschätzungen zu den finanziellen Folgen der Pandemie. Ausgewertet wurden die Interviews auch hier mittels qualitativer Inhaltsanalyse, die sowohl das Bilden von Apriori-Kategorien auf Basis der Hypothesen als auch von induktiven Kategorien direkt am Material vorsieht.1 So konnte zum einen eine systematische Auswertung und zum anderen ein Integrieren neuer Forschungsaspekte gewährleistet werden.


Anmerkungen

  1. Vgl. Kuckartz 2016.
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