Abendempfindung
Erschienen in: Hell ist die Nacht – Eine Dokumentation (12/2025)

Abend ist’s, die Sonne ist verschwunden,
Und der Mond strahlt Silberglanz;
So entflieh’n des Lebens schönste Stunden,
Flieh’n vorüber wie im Tanz.
Bald entflieht des Lebens bunte Szene,
Und der Vorhang rollt herab;
Aus ist unser Spiel, des Freundes Träne
Fließet schon auf unser Grab.
Bald vielleicht mir weht, wie Westwind leise,
Eine stille Ahnung zu,
Schließ’ ich dieses Lebens Pilgerreise,
Fliege in das Land der Ruh’.
Werdet ihr dann an meinem Grabe weinen,
Trauernd meine Asche seh’n,
Dann, o Freunde, will ich euch erscheinen
Und will himmelauf euch weh’n.
Schenk’ auch du ein Tränchen mir
Und pflücke mir ein Veilchen auf mein Grab,
Und mit deinem seelenvollen Blicke
Sieh’ dann sanft auf mich herab.
Weih’ mir eine Träne, und ach! schäme
dich nur nicht, sie mir zu weih’n;
Oh, sie wird in meinem Diademe
Dann die schönste Perle sein!
Wolfgang Amadé Mozart (1756–1791)
Abendempfindung, KV 523 (1787)
Text: Dichtung eines unbekannten Verfassers















