Tobias Diekmann: 1996 wurde Das Herz eines Boxers am Berliner GRIPS Theater uraufgeführt. Es gewann 1998 den Deutschen Jugendtheaterpreis und ist bis heute allein im deutschsprachigen Raum über hundertmal
inszeniert worden. Wenn ihr auf das Stück schaut: Was ist sein zentrales Thema? Und hat sich Euer Blick auf den Text verändert?
Sarah Nemitz: Für mich gibt es keine großen Unterschiede. Es geht um Menschen, die sich annähern, den ehemaligen Boxchampion Leo und den Jugendlichen Jojo. Aus unterschiedlichen Lebenssituationen kommend merken sie zu ihrer eigenen Überraschung, dass sie einander etwas geben können. Gesellschaftliche Feinheiten und Gepflogenheiten haben sich inzwischen jedoch schon geändert.
Lutz Hübner: Zur Uraufführung fragten wir uns: Was können wir voneinander lernen, wie können wir neugierig aufeinander sein? Dass sich die Welt in den letzten dreißig Jahren verändert hat, fließt jetzt in das Stück mit ein, und das macht mich neugierig.
Jessica Weisskirchen: Für mich geht es um den Zauber eines Moments: Zwei Menschen begegnen sich im richtigen Moment, teilen diesen miteinander und motivieren sich, weiterzumachen.
TD: Bleiben wir kurz beim Zauber eines Moments. Jessica, was waren deine ersten Gedanken beim Lesen des Textes?
JW: Ich habe mich zuerst gefragt, in wessen Kopf die Geschichte stattfindet. Kommt da der...