Auftritt
Landesbühne Niedersachsen Nord Wilhelmshaven: Nein zur Fügsamkeit
„Medea“ nach Euripides – Regie Mona Sabaschus, Bühnen- & Kostümbild Susanne Wilk
von Jens Fischer
Assoziationen: Theaterkritiken Niedersachsen Mona Sabaschus Landesbühne Niedersachsen Nord
Erschienen am 6.2.2026

Das soll, das darf nicht sein! Kein moralisches Denken oder Empfinden kann gutheißen, dass eine Frau den Bruder, die eigenen Kinder, einen König und die neue Partnerin ihres Ex mordet. Da Medea mit diesen Gräueltaten dem Konsens zivilisierten Miteinanders widerspricht, wird sie als erschreckend starke Frau wahrgenommen. Als blindwütige Barbarin, rachsüchtige Furie, giftmischendes Ungeheuer gebrandmarkt – als die, als das Fremde. Das, was nicht sein soll. Theaterinszenierungen des Mythos versuchen heutzutage zumeist, das verstörend Menschliche an Medeas Verhalten herauszuarbeiten. Soziologisch, philosophisch und vor allem psychologisch. Zuschauer:innen sollen Abscheu und Mitleid empfinden, wenn Medeas Gedanken und ihr „wilder Zorn des Herzens“ auflodern.
So ambivalent versucht Mona Sabaschus’ „Medea“-Abend an der Landesbühne Niedersachsen Nord in Wilhelmshaven die Kolcherin vor der schnellen Aburteilung zu retten. In einer Textfassung der Regisseurin wird die Täterin als Opfer kenntlich: hat sie doch ihre Familie und ihr Land für den Gatten verraten, um dann von ihm verlassen und entrechtet zu werden. Für Sabaschus folgt daraus weniger ein Rosenkrieg aus Eifersucht, vielmehr eine Generalabrechnung mit dem Diktaturjoch des Patriarchats. Wobei der Kindermord als provokanter, wenn auch tragischer Ausdruck einer durch Männermacht unterdrückten und in ihrem Menschsein herabgewürdigten Frau verstanden werden soll.
Drei Spieler:innen zeigen zum Stichwort Medea die...
Erschienen am 6.2.2026


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