Traditionell: shibai
Erschienen in: Digitale Reihe: Informierte Unbestimmtheit – Zur Robotik im Theater (06/2026)
Originaltitel in der Printausgabe: II.1 – Traditionell: shibai
Die Ausführungen zu Ishiguro haben gezeigt, dass Robotiker:innen gelegentlich Verbindungen zu japanischen Theatertraditionen ziehen, um Phänomene, die mit neuen Technologien einhergehen, beschreiben, einordnen und diskutieren zu können. Ebenso findet MORI Masahiro in seiner Modellierung einen Platz für inszenierte Artefakte des japanischen Theaters: während eine nō-Maske in das unheimliche Tal fällt, betrachtet er bunraku-Puppen als besonders attraktive Gegenstände, die über dieses Tal hinausgehen.1 In den folgenden Relationsanalysen beschäftige ich mich mit diesen beiden Theatertraditionen und erforsche unterschiedliche Relationsmodi. Wie treten japanische Künstler:innen in Relation mit Artefakten?
Die Beispiele aus dem japanischen Kulturraum ermöglichen es, eine nicht‑eurozentristische Perspektive auf Roboter zu entwickeln und transkulturelle Konzepte für die szenische Robotik zu entfalten. Die Hinwendung zu Japan, einem Land, das in der Literatur wie kein anderes für einen technikoptimistischen Diskurs und die Inklusion von Robotern steht, hat demnach mehrere Gründe: Zum einen soll auf diese Weise die Annahme, Japan besteche durch eine besondere Affinität zu Robotern, theaterphilosophisch hinterfragt werden. Zum anderen werden Relationsmodi und Techniken (in Form von Funktionen und Praktiken) im Umgang mit inszenierten Artefakten aufgedeckt, die sich für eine Übertragung auf das Robo‑thea-ter anbieten. Roboter können sowohl als Masken als auch als Puppen verstanden werden.
II.1.1 – Masken
Die...
















