In Relation mit Technik
Erschienen in: Digitale Reihe: Informierte Unbestimmtheit – Zur Robotik im Theater (06/2026)
Originaltitel in der Printausgabe: II. In Relation mit Technik

Um Europa nicht nur gedanklich zu verlassen, reiste ich für mehrere Wochen nach Japan, wo ich unter anderem dem Robotiker ISHIGURO Hiroshi sowie einigen seiner Roboter begegnete. Weltweit bekannt wurde er in den 2000er-Jahren für die Entwicklung von Androiden: Maschinen, die idealerweise von Menschen (hinsichtlich ihrer Erscheinung und ihres Verhaltens) ununterscheidbar sind.1
Als selbsternannter Mitbegründer der Android Science beschäftigt sich Ishiguro mit der Frage, wie Maschinen menschenähnlicher gestaltet werden können, um sie als kognitions- und sozialwissenschaftliche Instrumente nutzbar zu machen.2 Der Anthropomorphismus erfüllt in diesem Sinne einen wissenschaftlichen Zweck und keinen künstlerischen, wie es beispielsweise in Uncanny Valley der Fall war. Ishiguro verwendet Roboter, um zwischenmenschliche Beziehungen und das Mensch‑Sein zu erforschen.3 Bei einem gemeinsamen Mittagessen in Ōsaka betonte er, dass die Frage, was der Mensch sei, weiterhin unbeantwortet bleiben würde. Der Grund hierfür sei, dass sich mit neuen Werkzeugen und Instrumenten, die wir verwenden, um uns als Menschen besser zu verstehen, immer auch das Mensch-Sein verändere.
Außerdem vertrat Ishiguro in diesem Gespräch eine These, die ich von ihm bereits im Anschluss an einen seiner Vorträge gehört hatte: Er ist nämlich der Meinung, dass im Kontext der Robotik ein wesentlicher Unterschied zwischen Europa und Japan darin bestehe,...
















