Greifswald: »Don Quixote«
Aus TdZ 6/1982
von Volkmar Draeger
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Es macht Spaß, über Gelungenes zu berichten. Zum Beispiel: »Don Quixote« von Leo Spies in Greifswald. Außer winzigen musikalischen Strichen und einer Vertauschung von 3. und 4. Bild läuft das letztmalig vor 13 Jahren inszenierte abendfüllende Werk original in Partitur und Libretto. Frank Männel schuf eine lebendige, spannungsreiche, ausgewogene tänzerische Choreographie mit technischem Anspruch und setzte sie theaterwirksam in Szene. Als den choreographischen Höhepunkt des Abends empfand ich das 3. Bild in seiner Steigerung von der düsteren Prozession mit Galgen zum Triumphtanz der befreiten Räuber. Männel formt sie sorgfältig als deftige, grotesk verzerrte, suggestive Breughel-Gestalten. Sprungreich, vehement, akrobatisch, auch komödiantisch ist ihre Choreographie, wenn die Undankbaren den gefesselten Ritter anfeixen, wobei Galgen und hochaufragende Lanze hinter dem Leidenden ein Kreuz erzeugen. Formenreich und erfinderisch in den Verwicklungen, Hebungen, Schleifungen und Ziehungen auch Quixotes Kampf mit den Wäschedämonen – unbedrohlich ragt die Lanze des Gestürzten gen Himmel. Eindrucksvoll die von der Gruppe gebildeten Windmühlenflügel, von denen er in den Tod getragen wird. Durch seinen Optimismus berührend und szenisch wirksam der Schluß: im Scheinwerferkegel schreitet der ewige Quixote als Symbol der Menschlichkeit, der Einsatzbereitschaft für Andere in die Zukunft.
Männel gelingen sehenswerte Soli und Pas de deux. Durch ein Experiment versicherte...
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