Thema
Die Dystopie unserer Zeit
Florentina Holzingers „Harbour Etude“ im norwegischen Bergen
von Vibeke Tandberg
Erschienen in: Theater der Zeit: Florentina Holzinger – Performing Power (04/2025)
Assoziationen: Europa Florentina Holzinger

Klimakrise und Völkermord, Nekrokapitalismus, dysfunktionale Demokratien und technologischer Autoritarismus – wir zerstören unsere Lebensbedingungen in atemberaubendem Tempo. Noch nie hat das Universum eine Spezies erlebt, die so kannibalistisch ist wie der Mensch. Die Systeme, die wir geschaffen haben, bedrohen unsere Existenz, und die Aussicht auf die Zukunft erscheint düster. Unsere Verletzlichkeit zeigte sich im letzten Sommer auch in Florentina Holzingers „Harbour Etude“ in Bergen.
Norwegens zweitgrößte Stadt, eingebettet zwischen Bergen und der Nordsee, war der ideale Schauplatz für Holzingers Experiment mit den Elementen der Natur. Aus Umwelt- und politischer Sicht ist Bergen ein perfekter Ort für die Kulturkritik, die den meisten von Holzingers Performances eigen ist. Die Stadt war ein zentraler Knotenpunkt der mittelalterlichen Hanse und ist bis heute ein Zentrum des transnationalen Handels sowie ein internationaler Dreh- und Angelpunkt für die Offshore-Erdöl- und Schifffahrtsindustrie. All dies geschieht in einem Land, das sich rühmen kann, Europas größte Ölnation zu sein, dank der unermüdlichen Ausbeutung natürlicher Ressourcen, während es ironischerweise international als führende Nation in grünen Technologien und nachhaltiger Ressourcennutzung anerkannt wird. Die Werft von Laksevåg bot somit eine dystopische Kulisse für das, was der Spätkapitalismus in einem Land als Ökopionier bereithält.
70 Meter in der Höhe
Die Performance fand am...