Ayad Akhtar ist als Sohn pakistanischer Eltern im Mittleren Westen der USA aufgewachsen. Bisher begab er sich in seinen Stücken wie „Geächtet“ meist auf das Konfliktfeld interkultureller Konfrontation. „Junk“ scheint da aus der Reihe zu fallen. Akhtar taucht darin ein in den US-amerikanischen Finanzkapitalismus. Die Hauptfigur, Bob Merkin, schuf der Autor nach realem Vorbild: Michael Milken galt als der „Junk Bond King“ der achtziger Jahre. Mit hochverzinslichen Schrottanleihen köderte er Investoren, um mit deren Geld feindliche Übernahmen kriselnder Unternehmen einzufädeln. Das Zinsversprechen war dabei allein mit dem Kapital der erst noch zu kaufenden Firmen zu halten. Eine hochriskante Wette auf die Zukunft. Aber im Erfolgsfall auch höchst profitabel. „Junk“ spielt also zu dem Zeitpunkt der Kapitalismusgeschichte, da sich der Finanzsektor von der Realwirtschaft abkoppelte. Milken heißt hier Merkin, und die Firma, die sich dessen Angriff ausgesetzt sieht, Everson Steel. Ein taumelnder Industrieriese mit glorreicher Vergangenheit.
Befeuert wird die Geburt des Finanzkapitalismus im Stück durch die Aufstiegssehnsüchte religiöser und ethnischer Minderheiten. Hier kommt Akhtars Kernthema also doch ins Spiel. Firmenpatriarch Everson steht für das alte Amerika und die bröckelnde Dominanz weißer Männer. Merkin ist Jude. Unter den Beratern, Investoren und Spekulanten, die auf beiden Seiten mit in die Übernahmeschlacht ziehen, finden...