Originaltitel in der Printausgabe: II. Tendenzen der Szenografie im Gegenwartstheater
Szene aus Ariodante von Georg Friedrich Händel (Dramma per musica, Libretto nach Antonio Salvi), Regie / Dramaturgie: Jossi Wieler und Sergio Morabito, Bühne / Kostüme: Nina von Mechow, Licht und Video: Voxi Bärenklau; mit Diana Haller (Titelpartie), Ensemble und Orchester. Staatsoper Stuttgart 2017Foto: Christoph Kalscheuer
In den folgenden Abschnitten werden einige signifikante Tendenzen des Szenografischen im Gegenwartstheater des deutschsprachigen Raums aufgezeigt. Dabei geht es, wie in der gesamten Studie, nicht darum, dieses breite, äußerst facettenreiche und dynamische Feld umfassend zu kartieren oder gar ein Who is Who der ‚bildenden Kunst in der darstellenden Kunst‘ aufzubieten. Mit dem Ansatz der Dispositivanalyse lässt sich vielmehr fragen, welche Ästhetiken, szenografischen Praktiken und künstlerischen Positionen auffällig werden und diskursiv, indem sie etwa in Theaterkritiken oder anderweitig (z. B. durch Preise und Auszeichnungen) besondere Aufmerksamkeit erfahren, auch potenziell langfristig im Gedächtnis bleiben. Im Zentrum steht dabei die Frage nach der Szenografie als Kunst – im Spannungsverhältnis zwischen Freiheit und Abhängigkeiten (von der Regie, den Bedingungen des Theaterbetriebs, von Theaterkritik, Publikumsgunst, Auslastungszahlen usw.). Zugleich sei ein Statement Bert Neumanns in Erinnerung gerufen, der eindringlich betonte: „Als Künstler ist man letztendlich seinen eigenen Kriterien verpflichtet, die darf man nicht vergessen“ (ders. 2015, 28). Welche Tendenzen szenografischer Gestaltung zeichnen sich also ab, und welche Kriterien werden von verschiedener Seite geltend gemacht?
1. Vorüberlegungen: Künstlerische Positionen und Sichtbarkeitsbedingungen
Die hier vorgestellten Untersuchungen setzen um die Jahrtausendwende an – und damit in einer Zeit, in der sich im Theater im deutschsprachigen Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz)...
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