Frech und eigenwillig, so begann die Karriere der Kostümbildnerin Moidele Bickel. Den Nonnen in der Schule entflohen, tourte die Münchnerin zunächst mit ihrem Vater, einem Hausfassaden- und Deckenbildermaler, durch die Lande, bevor sie zu einer Zeit, als Malerei total out war, Malerei in München studierte. Über Claus Peymann und das TAT kam sie schließlich ans Theater. Als Peter Stein 1970 die Schaubühne in Berlin übernahm, sagte sie: „Ich will auch.“ Und Peter Stein sagte: „Ja, warum eigentlich nicht?“ In den folgenden Jahren prägte Moidele Bickel mit ihren Kostümen die Ästhetik des Hauses entscheidend mit. Auch andere Regiegrößen fragten an: Klaus Michael Grüber, Luc Bondy, Robert Wilson; mit Patrice Chéreau, Éric Rohmer und Michael Haneke arbeitete sie zudem für den Film; viele jüngere Kostümbildner/-innen lernten von ihr. Am 17. Mai 2016 ist Moidele Bickel im Alter von 79 Jahren in Berlin verstorben. Kurz vor ihrem Tod hatten die Kostümbildnerin Florence von Gerkan und TdZ-Lektorin Nicole Gronemeyer die Möglichkeit, mit ihr über ihre Arbeit zu sprechen. Das Interview ist in voller Länge in dem im Juni bei Theater der Zeit publizierten Band „Lektionen 6 ,Kostümbild‘“ erschienen. Wir drucken einen Auszug daraus ab und zeigen zudem in unserem Künstlerinsert (S. 8–11) Zeichnungen und...