Von erfrischender VielfaltBirgit-Scherzer-Abend an der Komischen Oper Berlin
Aus N-Z, 1.11.1988
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Werkstattcharakter trug diese jüngste »Stunde des Tanzes«, die 40. seit Neubegründung jener Reihe durch Jean Weidt. Ihm, dem verdienstvollen, am 29. August 83jährig verstorbenen Nestor und Talenteförderer, war sie auch gewidmet. Daß sie als Choreographenporträt das Schaffen einer jungen Tanzschöpferin vorstellte, dürfte in seinem Sinn gewesen sein. Dabei ist Birgit Scherzer keine Unbekannte mehr. Die Tanztheater-Foren der Komischen Oper, wo die Tänzerin seit 1981 engagiert ist, lebten zu wesentlichen Teilen von ihren erfrischend alltags- und gegenwartsbezogenen Choreographien.
Infolge Erkrankung eines Interpreten konnten von den geplanten acht Scherzer-Arbeiten nur sechs gezeigt werden. Sie, unterschiedlich von der Idee, der Musik und deren choreographisch-stilistischer Umsetzung her, markieren Etappen in Birgit Scherzers Entwicklung. Bereits mit »Concerto«, ihrer ersten größeren Arbeit, für die sie beim 83er Choreographenwettbewerb den 3. Preis gewann, meldete sich eine tanzsprachlich gewandte, eigenwillige Schöpferin zu Wort. Zur Musik eines dreisätzigen Händel-Konzerts vollzieht sich die spielerische Begegnung dreier Burschen mit drei Mädchen, die die Anfänge der Liebe erfahren. Weniger heiter, doch ebenso dicht, variant in der Bewegungsfindung und dem Einsatz des gesamten Körpers ist das angejazzte Solo »Allein«: Von seiner Freundin vor die Tür gesetzt, entladen sich in fulminanten Sprungfolgen die widerstrebenden Gefühle eines jungen Mannes, den Thomas Vollmer mit starker Persönlichkeit...















