»Traumvisionen« im Friedrichstadtpalast
Aus UK 12/88
von Volkmar Draeger
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Wovon träumen Männer? Von Frauen, sanften und wilden, zärtlichen und rätselvollen. Nur schön müssen sie sein. Männerträume nennt man das. Oder Traumvisionen sie geben dem jüngsten Programm des Friedrichstadtpalasts den Titel. Und der Untertitel »Ballett-Show mit internationaler Artistik« verrät etwas von der Konzeption: das Ballett als Hauptakteur, Star des Abends. Isolde Matthesius und Emil Neupauer haben Tanzbegeisterten diesen Wunsch erfüllt, schrieben gemeinsam das Buch. Daß daraus das beste Palastprogramm wurde, an das ich mich erinnern kann, kommt einem Lotterie-Hauptgewinn gleich. Auf vier repräsentative Bilder, gerahmt von Prolog und Epilog, haben die Autoren ihre Idee aufgeteilt und erweist sie sich als tragfähig.
Sturm braust; dem hoch über dem Proszenium hängenden Miniflugzeug Antares entquillt Nebel. Eine Stimme rezitiert aus einem frühen Rilke-Gedicht: »Träume scheinen mir wie Orchideen«. Ein Spot geleitet den Mann (auch er jung und schön) durch den Saal auf die Bühne, wo ihn ein Laser-Dom einhüllt, er sich zwischen Strahlen verirrt. Seine Phantasie gaukelt ihm ein riesiges Herz vor, in dem sich vier Rasseweibchen spiegeln. Als ein Schleier sich hebt, schweben sie leibhaftig gen Boden, werben um seine Zuneigung: Phantasia, Miracula, Fabula und Futura – jede Herrscherin eines Reiches. Was der Verlockte in diesen Ländern erlebt, wird in attraktiven Episoden...
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