Choreographen-EinstandLeipzig: »Daphnis und Chloë«/»Der Liebeszauber«
Aus TdZ 10/1988
von Volkmar Draeger
Erschienen in: Die andere Seite – Tanz in der DDR von 1975 bis 1997 (04/2026)
Manche Werke des internationalen Repertoires brauchen lange, ehe sie den Weg auf unsere Bühnen finden. Dazu gehört »Daphnis und Chloë« nach dem Hirtenroman des Griechen Longus, 1912 von den Ballets Russes uraufgeführt. Möglicherweise schreckte Maurice Ravels diffizile Musik einheimische Tanzschöpfer. Enno Markwart bot eine DDR-Erstaufführung und, ergänzt durch de Fallas »Liebeszauber«, gleichzeitig seinen Einstand als Chefchoreograph des Leipziger Opernhauses. Daß es ein repräsentabler Abend des Tanzes wurde, der die mit Seyfferts »Sacre« eingeschlagene Richtung des sinfonischen Ballettpoems fortführt, stimmt für das knapp 60köpfige Ensembles hoffnungsvoll. Beide Werke haben ein übergreifendes Thema: bedrohte Liebe, die sich kämpfend bewähren muß. Für »Daphnis« fand der Choreograph eine Lesart, die mit Fokins Originallibretto nur noch den Titel und die Namen der drei Hauptakteure gemein hat, ansonsten eine ins Allgemeinmenschliche gerückte Fabel erzählt – fort vom speziellen griechischen Kunstmärchen, hin zu einer Art Schöpfungsmythos. Die Figuren Daphnis und Chloë haben hier Stellvertreterfunktion für die enthüllende, treibende, bessernde Kraft der Liebe und müßten konsequenterweise namenlos bleiben.
Unbeweglich liegende Menschenleiber bedecken die riesige Bühne bis hin zum halbrunden, pastelltönig verfließenden Hintergrundprospekt. Blitze zucken, Nebel wallt. Langsam beleben sich Arme, die Körper beginnen tänzerisch zu atmen, bald kribbeln Gestalten durch den Raum. Daphnis beobachtet, wie Chloë vorwärtsschreitet. Männer...
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