Laudatio
TdZ+ ProDer Holzkasten kann alles
Aus der Laudatio auf Gero Troike zum Hein-Heckroth-Bühnenbildpreis
Erschienen in: Gero Troike – In unmittelbarer Nähe (07/2025)
Eine Erinnerung: „Sommernachtstraum“ im Deutschen Theater. Ein weißer Kasten, eine Bühne auf der Bühne. Am Ende ein Knäuel seelisch und körperlich erschöpfter Menschen auf dem Boden. Wie versehentlich vom Inspizienten zu früh eingerufen, erscheinen Bühnenarbeiter, packen an und tragen die Wände des Kastens ab. Und das ist ganz leicht, denn die Wände, nun sehen wir es, sind mit Papier bespannt. Wie leicht geht Freiheit an diesem Abend.
Aber, um hier nichts misszuverstehen: Gero Troike ist kein Polemiker, er macht nicht „politische Kunst“. Er setzt Inhalte ins Verhältnis zu ehrlichem Material, Holz, Papier, Ziegelstein, stellt das Theater auf einen wahrhaften Boden, wie beispielsweise bei der Bühne für „Die traurige Geschichte von Friedrich dem Großen“. Diese preußische Geschichte stellt er auf einen Bodenbelag aus preußischem Ziegelstein, dem Baumaterial aus Brandenburg, mit dem Berlin errichtet wurde. Der Ziegelstein ist, wenn man über Preußen nachdenkt, vermutlich eines der erfreulicheren Vermächtnisse.
1983 stellt sich ihm eine große Herausforderung am Deutschen Theater. Den überbordenden Faust-Stoff Goethes konfrontiert er mit einer multifunktionalen Holzkiste, die der Dreh- und Angelpunkt des Abends werden soll. Das Vorbild dafür ist das Goethe-Theater in Bad Lauchstädt. Wissenschaftler und Dramaturgen haben sich an Goethes „Faust“ abgearbeitet, an diesem Zeit, Raum, Religion und Philosophie...















