Ein junger Mann, fast noch ein Junge, liegt im Sterben. Getroffen von mehreren Schüssen, verblutet er in einem Maisfeld. „Ein Brunnen. Ist der Mensch. Wenn man ein, zwei Löcher reinmacht.“ Seine Mutter sammelt die blutige Erde auf. Ihre Hände ballen sich zu Fäusten. Diese Szene ist der Ausgangspunkt des Stückes „Auf Noahs blutigem Regenbogen tanzen wir“, das der Regisseur und Dramatiker Monageng „Vice“ Motshabi im Rahmen des Internationalen Dramatiker*innenlabors „Out of Sight“ entwickelt hat. Das Thema der Schreibwerkstatt war das Verschwinden, eben auch das Verschwinden von Menschen: „Irgendwo zwischen hier und und und irgendwoanders. Unklar wo genau, dort verweilt der junge Mann.“
Behutsam und wütend zeichnet das Stück Umstände und Nachgeschichte des Todes beziehungsweise des Mordes an dem jungen Mann Tumelo Mogotsi nach und führt dabei vor, wie Diskurslandschaft und Justizsystem auch heute von kolonialem Erbe und strukturellem Rassismus geprägt sind. Denn der junge Südafrikaner starb auf dem Grund und Boden der reichen weißen Familie Van Vuuren, bei der die halbe Stadt, auch seine Mutter, in Anstellung steht. Der Sohn des Grundbesitzers feuerte die Schüsse ab. Japie, der Freund des Toten, der den Mord zur Anzeige bringt, ist ein stadtbekannter Junkie. Wer wird ihm glauben, dass die weißen Jungen ihn...