Das Wichtigste vom Tag
Montag, 16. Februar 2026
Klage gegen Berliner Kultursenatorin wegen Theater-Sparplänen ++ Deutlich größeres Defizit am Maxim Gorki Theater als bisher bekannt ++ Golschan Ahmad Haschemi erhält das Marie-Zimmermann-Stipendium für Dramaturgie ++ Jury votiert für Prüfung eines AfD-Verbots in Milo Raus „Prozess gegen Deutschland“ ++ Vereinigte Bühnen Wien melden Personalabbau ++ Installationskünstlerin Henrike Naumann gestorben ++ Dirigent Helmuth Rilling verstorben
Assoziationen: Österreich Berlin Milo Rau Henrike Naumann Thalia Theater Akademie Schloss Solitude Maxim Gorki Theater

Berlin: Klage gegen Kultursenatorin wegen Theater-Sparplänen
Im Streit über die Umstrukturierungspläne des Berliner Senats für die vier landeseigenen Theater hat der Hauptpersonalrat des Landes Klage gegen Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson beim Verwaltungsgericht eingereicht, wie die Deutsche Presse-Agentur meldet. Das Gericht solle feststellen, dass gesetzlich garantierte Mitwirkungsrechte der Personalvertretung verletzt worden seien, sagte die Vorsitzende Daniela Ortmann dem RBB. Betroffen von den Plänen sind das Maxim Gorki Theater, die Volksbühne, das Deutsche Theater und das Theater an der Parkaue; unter anderem wird über eine Zusammenlegung von Werkstätten und eine Stiftungslösung für mehrere Häuser diskutiert. Auch die Gewerkschaft Verdi warnte vor Beschäftigungsabbau und einer Verschlechterung der Arbeitsbedingungen.
Berlin: Deutlich größeres Defizit am Maxim Gorki Theater Berlin
Das Maxim Gorki Theater ist nach einem Bericht des rbb deutlich höher verschuldet als bislang öffentlich bekannt. Nach Informationen des Senders sprechen gut informierte Quellen demnach von einem vorläufigen Gesamtjahresdefizit von rund 1,9 Millionen Euro für 2025, was etwa einer Verdopplung des im Wirtschaftsplan vorgesehenen Minus entspricht. Das Defizit sei im letzten Quartal 2025 entstanden, also zu Beginn der letzten Spielzeit unter Intendantin Shermin Langhoff, deren Budget zuvor bereits um eine Million Euro gekürzt worden war, und stelle die zukünftige Planung der designierten Intendantin Çağla Ilk in hohem Maß unter kulturpolitischen Vorbehalt.
Stuttgart: Marie-Zimmermann-Stipendium für Dramaturgin Golschan Ahmad Haschemi
Das Marie-Zimmermann-Stipendium für Dramaturgie 2026 geht an die Dramaturgin, Performerin und Autorin Golschan Ahmad Haschemi, wie die Akademie Schloss Solitude mitteilt. Haschemi, die Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis in Hildesheim sowie an der Theaterschule ESMAE in Porto studiert hat, arbeitet in kollektiv ausgerichteten Projekten an macht- und diskriminierungskritischen Theaterformen und ist unter anderem mit den Kollektiven AHH und „donna’s gym“ verbunden. Im Rahmen des mit 5.000 Euro dotierten und mit einem zweimonatigen Aufenthalt auf der Akademie verbundenen Stipendiums will sie nach Angaben der Jury Humor und Stand-up auf ihr subversives Potential hin untersuchen – als theatralen Zugriff in Zeiten rechtspopulistischer Tendenzen und unter finanziellem Druck auf die Künste.
Hamburg: Jury votiert für Prüfung eines AfD-Verbots im Thalia-Projekt „Prozess gegen Deutschland“
Im Rahmen der Lessingtage ist am Sonntagabend am Thalia Theater das dreitägige fiktive Gerichtsverfahren „Prozess gegen Deutschland“ des Regisseurs Milo Rau mit einem Votum der Geschworenen-Jury für die Einleitung eines AfD-Verbotsverfahrens zu Ende gegangen. Die sieben per Los bestimmten Geschworenen sprachen sich dafür aus, dass das Bundesverfassungsgericht ein Verbot der Partei prüft und die AfD von staatlicher Finanzierung ausschließt, fanden aber keine Mehrheit für ein unmittelbares Parteiverbot. Unter dem Vorsitz der ehemaligen Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin verhandelten Juristinnen, Fachleute und prominente Gäste ohne festes Textbuch über Voraussetzungen und Folgen eines Parteiverbots und machten so die verfassungsrechtliche Debatte um die „wehrhafte Demokratie“ im Theaterraum konkret erfahrbar.
Wien: Vereinigte Bühnen melden Mitarbeiter beim Arbeitsmarktservice (AMS)
Die Vereinigten Bühnen Wien (VBW) haben infolge der Subventionskürzung der Stadt Wien um fünf Millionen Euro Mitarbeiter beim Frühwarnsystem des Arbeitsmarktservice (AMS) nach dem Arbeitsmarktförderungsgesetz gemeldet, wie Heute.at und die Kronen Zeitung berichten. Genaue Zahlen zum geplanten Personalabbau nannte das Unternehmen nicht; derzeit werde ein Sozialplan ausgearbeitet. VBW-Geschäftsführer Franz Patay betonte gegenüber der Nachrichtenagentur APA, oberstes Ziel bleibe es, die Auswirkungen für die Belegschaft so gering wie möglich zu halten und den Spielbetrieb sowie die künstlerische Qualität zu erhalten. Bereits zuvor hatte die angekündigte Schließung der Kammeroper ab Herbst 2026 für Aufsehen gesorgt.
Berlin: Installationskünstlerin Henrike Naumann gestorben
Die Installationskünstlerin Henrike Naumann ist am 14. Februar 2026 im Alter von 41 Jahren in Berlin an den Folgen einer Krebserkrankung gestorben, wie ihre Familie mitteilte. Naumann, 1984 in Zwickau geboren, war erst vor wenigen Monaten gemeinsam mit Sung Tieu als Gestalterin des Deutschen Pavillons auf der Kunstbiennale 2026 in Venedig ausgewählt worden. In ihren raumgreifenden Installationen setzte sie sich mit ostdeutscher Identität, Transformationserfahrungen und gesellschaftlichen Brüchen auseinander; ihre Arbeiten waren auch in zahlreichen Bühnen- und Performancekontexten zu sehen. Das Institut für Auslandsbeziehungen erklärte, mit Naumann verliere man „nicht nur eine bedeutende Vertreterin der deutschen Gegenwartskunst, sondern auch eine warmherzige, wache und hoch engagierte Persönlichkeit“.
Stuttgart: Dirigent Helmuth Rilling mit 92 Jahren verstorben
Der Dirigent und Kirchenmusiker Helmuth Rilling ist am 11. Februar 2026 im Alter von 92 Jahren in Warmbronn bei Leonberg im Kreis seiner Familie verstorben, wie die Stuttgarter Zeitung und der SWR berichten. Rilling gründete 1981 die Internationale Bachakademie Stuttgart und galt als einer der weltweit bedeutendsten Bach-Interpreten; seine Gesamteinspielung der Bach-Kantaten setzte Maßstäbe. Von 1969 bis 1985 war er Professor für Chordirigieren an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt, wo er Generationen von Musikerinnen und Musikern prägte. Die Frankfurter Hochschule würdigte Rilling als Lehrer, der „handwerkliche Präzision, stilistische Klarheit und eine tiefe Verantwortung gegenüber Werk und Wort“ vermittelt habe.
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Redaktionsschluss: 15:00 Uhr
Erschienen am 16.2.2026







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