Es ist 20 Uhr, 5 Minuten und 40 Sekunden. Die Zeit läuft. Die Zeit rennt. Unaufhörlich jagen die Sekunden dahin, 41, 42. Rhythmus der Uhr, Rhythmus des Lebens. Ein Beat, der uns mitreißt, dunkel und wummernd. Plötzlich ein Spot, Auftritt: der Mensch. Lässig in Lederhose, die Hand zum Gruß erhoben. Wir sind jung, ja: „Young, young, young! And we dance until we see the sun.“ Bassdrum. Gitarren. Das Leben – ein Spiel. It’s show time. Und wir? Sind unsere eigenen Protagonisten. Soloperformer wie dieser Typ, der da breitbeinig auf der Bühne steht. Gestalter unseres Auftritts. Immer neu. Immer anders. Geschäftsmann. Liebhaber. Bediensteter. Mutter. Was kostet die Welt? Wir haben alle Rollen im Repertoire. Können jedermann sein. Jeder Mann, jede Frau. Jederzeit jemand anders. Wirklich zu jeder Zeit? – Es ist 20 Uhr, 10 Minuten und 30 Sekunden. Kalt und präzis sitzt uns die Digitaluhr im Nacken. Das Leben rast dahin. Es ist angezählt.
Eine müde Nachmittagsträgheit hängt über Kreuzberg. Am Kottbusser Tor trifft sich die Welt. Arme, Reiche, Amerikaner, Türken, Punks und Schnösel schlurfen vorbei. Ein Jedermannskiez. Nur irgendwie anders als in Bastian Krafts Inszenierung des „Jedermann“ in Salzburg. Weniger Spiel. Weniger Show. Doch stimmt das überhaupt? Philipp Hochmair, der...