Im sächsischen Sebnitz geboren, erhielt Winfried Wagner eine musikalische Ausbildung bei den Dresdner Kapellknaben, wo er von der Schauspielerin Antonia Dietrich entdeckt wurde. Nach einem Studium an der Theaterhochschule Leipzig folgten erste Stationen in Meiningen und Weimar. 1963 holte ihn Wolfgang Heinz an die Berliner Volksbühne, der er als Ensemblemitglied bis 2006 angehörte.
Wagner trat nach vielen Besetzungen bei Benno Besson und Fritz Marquardt in legendären Inszenierungen der wilden Wendejahre auf. In Frank Castorfs „Räubern“ (1990) war er der Graf von Moor, in Andreas Kriegenburgs „Woyzeck“ (1991) der Doktor, in Castorfs Eröffnungsinszenierung „König Lear“ (1992) der Herzog von Albany und nachfolgend, auch dank seines ausgezeichneten Gesangs, eine der unvergessenen Figuren in Christoph Marthalers Dauerbrenner „Murx den Europäer!“ (1993) sowie in Castorfs „Pension Schöller: Die Schlacht“ (1994). Er stellte damit nicht zuletzt eine wichtige Verbindung zwischen dem alten Ensemble und der sich in dieser Zeit neu zusammenfindenden Truppe dar.
Zu würdigen ist auch Wagners verantwortungsvolle Tätigkeit in der Leitung der Volksbühne in den Jahren 1990 bis 1992, zunächst in einem Dreierteam, dann als alleiniger Interimsintendant, der in der damals aufgeheizten Stimmung von Anwürfen und Verunsicherung einen kühlen Kopf bewahrte und die Intendanz Castorfs kooperativ mit vorbereitete. Diese Besonnenheit, oft mit einer...