Gründung und Zukunft
TdZ+Theater als strukturelle Grenzerfahrung
Wohin mit der Einsamkeit, wohin mit der Ohnmacht und was machen mit der Wut?
von Yaël Koutouan
Erschienen in: ixypsilonzett sommerheft 2026: Blick zurück – nach vorn! (06/2026)

Wenn ich in einer Traumwelt leben würde, wäre das Theater ein Experimentierraum. Es wäre eine Art Labor für radikale Zukunftsentwürfe.
In den vergangenen Jahren wurden junge Menschen in Europa mit einer ungewöhnlichen Verdichtung globaler Krisen konfrontiert. Die COVID-19-Pandemie, der Krieg Russlands gegen die Ukraine, die völkerrechtswidrigen Menschenrechtsverletzungen in Gaza, Polizeigewalt im Alltag, ein Anstieg von rechter Hetze, Wahlgewinne bei rechten und rechtskonservativen Parteien, die politische Verschiebungen zementieren und den Alltag vieler tiefgreifend verändern. Über allem schwebt die Klimakrise, die durch global ungleiche Machtverhältnisse und koloniale Ausbeutungsstrukturen wie beispielsweise im Kongo weiter angefeuert wird. Auf TikTok übernehmen die Rechten und auch sonst fällt es schwer, zwischen Desinformationen und relevanten Nachrichten zu unterscheiden. Wohin mit der Einsamkeit, wohin mit der Ohnmacht und was machen mit der Wut? Wo soll das Theater für junges Publikum da seinen Platz einfordern?
Man könnte argumentieren, dass gerade aufgrund dieser überfordernden Fragen ein Theater für junges Publikum nicht nur ein Ort der ästhetischen Erfahrung, sondern auch ein Raum gesellschaftlicher Auseinandersetzung sein sollte. Ein Ort, der Perspektiven sichtbar macht, Widersprüche verhandelt und Handlungsmöglichkeiten eröffnet. Ein Ort der gemeinsamen Gegenwartsbewältigung. Manuel Moser, künstlerischer Leiter des COMEDIA Theaters in Köln, beschreibt ein Theater der Zukunft zunächst als einen Ort, an...















