Jeden Archäologen in Rente zieht es nach Trier, weiß Ulf Frötzschner. Dann laufen sie durch die Fußgängerzone und grüßen sich fragend, ob der andere bereits Entdeckungen gemacht habe. Vor 2000 Jahren kamen die Römer nach Trier, und das Amphitheater aus dem zweiten Jahrhundert scheint immer noch intakt. Doch Ulf Frötzschner ist gar kein Archäologe und erst recht kein Rentner, sondern seit dieser Spielzeit Schauspieldirektor am Theater Trier.
Er trägt eine Mischung aus Freizeit- und Trainingsanzug, im etwas wirren dunklen Haar zeigen sich erste graue Fäden. Aber der Eindruck täuscht, dieser berufserfahrene Dramaturg, der in der Wendezeit an der Humboldt-Universität Berlin Theaterwissenschaft studierte, ist mit der neuen Intendanz von Karl M. Sibelius hierhergekommen, um das Theater der Stadt, das vor drei Jahren noch vor der Schließung stand, zu revolutionieren, aber so, dass die Trierer nicht gleich davonlaufen. Machen sie auch nicht, im Gegenteil, viele neue junge Zuschauer sind bereits dazugekommen. Bis zu seiner ersten Spielzeit in Trier war der gebürtige Thüringer aus Schleiz Dramaturg in Luzern gewesen.
Nun also diese von Weinbergen schier umzingelte Stadt. Eine museal wirkende Idylle an der Mosel, in der Mitte der riesige Dom, der wie eine Festung des katholischen Glaubens über allem thront. In dieser kreuzkatholischen...