Theater der Zeit

Ausland

Nach der Schockstarre

Wie die Krise in Zypern eine neue Solidarität beflügelt

von Frank M. Raddatz

Erschienen in: Theater der Zeit: Aleksandar Denic: Realität des Absurden – Bühnen für Castorf in Berlin und Bayreuth (06/2013)

Der Neoliberalismus hat ein weiteres Opfer erlegt. Diesmal geht es der Republik Zypern an den Kragen. Seit dem 15. März befinden sich die Menschen auf dem Inselsaat in einer Schockstarre. An diesem Tag wurde ihnen schlagartig bewusst, dass sie ihre bisherige Lebensweise grundlegend ändern müssen. Björn Luley, Direktor des Goethe-Instituts in Nikosia, beschreibt, wie er den Stimmungsumschwung im Land erlebt: „Man hat den Eindruck, dass erst jetzt vielen Menschen klar wird, wo ihr Land steht, nämlich am wirtschaftlichen Abgrund. Der zyprische Finanzminister hat den Abgeordneten in der vergangenen Woche vor der Abstimmung über das Memorandum mit der Troika gesagt, dass im Falle einer Ablehnung die meisten Zyprioten wieder zurück in ihre Dörfer gehen und Lebensmittel anbauen müssten (wie dies bis in die siebziger Jahre über 85 Prozent der Bevölkerung taten), um nicht zu verhungern, da auf Jahre niemand auf der Welt dem Land Kredite geben würde. Leider hat er recht! Das Memorandum ist dann mit einer Stimme Mehrheit abgesegnet worden!“

Obwohl die Republik Zypern durchaus theateraffin ist, ist es illusionär zu hoffen, dass bei solch wuchtigen ökonomischen Einschnitten die Künste mit einem blauen Auge davonkommen. Doch noch haben wir es mit einer vitalen Theaterlandschaft zu tun. Das Staatstheater (THOC) beschäftigt...

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