„I am not in a Room“ von Wilde & Vogel am Westflügel LeipzigFoto: Dana Ersing
Warum kann das Figurentheater oft stärker beeindrucken als das Menschentheater? Niemand weiß das so genau, aber viele haben es schon erlebt. Nikolaus Habjan, Robert Anton oder auch Wilde & Vogel, Basil Jones und Adrian Kohler sind einige von vielen Beispielen (siehe zuletzt auch Karl Huck in TdZ 10/22). Sie sind – müssen es sein – allesamt auch große Schauspieler.
Die verrückteste Geschichte ist wahrscheinlich die von Robert Anton, der in den achtziger Jahren in New York zum Mythos wurde. Alle zwei Wochen lud er achtzehn Personen zu sich nach Hause ein, versammelte sie um einen großen Tisch und spielte ihnen mit winzigen Puppen sein Leben vor. Es gab das Gerücht, dass Susan Sontag einen Flug nach Paris absagte, weil sie überraschend auf der Liste stand. Wie ich damals auf diese heilige Liste gekommen bin, habe ich nie begriffen, aber ich war glückselig.
In gewisser Weise wirken die Aufführungen von Wilde &Vogel wie ein Gegenpart dazu: Hier werden die Geschichten klar erzählt und behalten dennoch ihr Geheimnis. Die von Charlotte Wilde jeweils eigens für die Stücke komponierte Musik verändert die Spuren und verwandelt sie mitunter in magische Rätsel. Die Wildvögel haben erst in Stuttgart, später in Leipzig ihre sehr eigene Puppenspielform...