Akteure
„Setzen wir uns auseinander, nicht zusammen“
VA Wölfls Chor(e)ografien zur Erinnerung
von Detlev Schneider
Assoziationen: Tanz Dossier: Kunstinsert VA Wölfl / Neuer Tanz

Frühsommer 1996. NEUER TANZ ist mit seinem Stück „XYZ-Bewegtes Opfer“ zu Theater der Welt nach Dresden eingeladen, ins Festspielhaus Hellerau, das nach dem Abzug des russischen Militärs in ruinös-hoffnungsfrohem Zustand ist.
VA Wölfl tritt in den großen Saal, durchquert ihn kreuz und quer, mehrmals – und freut sich, dass es keine Bühne gibt. Nur den riesigen leeren Raum mit der Säulentektonik seiner militärisch nackten Wände und den rau-rissigen Betonboden. Ironischerweise ist das seine Urform, ein Gehäuse fürs Laborieren von Spielen und Schauen ohne Trennung in Profan- und Sakralraum. Wölfl bleibt stehen und fragt mich, ob an dieser Stelle das Spiel sein könne und im gestreckten Winkel dazu die Zuschauerpodeste. Ein kleines Areal im großen Kubus, leicht verschoben zu dessen Hauptachsen – exzentrisch. Es wird zur idealen Position, um die Lichtstrahlen der Taschenlampen an Armen und Beinen der Tänzer in alle Raumtiefen zu senden.
Deutlich wurde da, was das geklammerte (e) meint, das den Untertitel seiner Inszenierungen zum Vexierwort macht, die Chor(e)ografie. Das altgriechische Wort für Tanzen ist „choreia“, „choros“ aber ist der Raum, der physische Raum, der zum geistigen Raum wird durch das, was sich in ihm ereignet.
Wölfl will beider Zusammenspiel, will bewegte Architektur. Er komponiert Raumpartituren, fügt Artefakte...



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