Die wichtigsten Theaterproduktionen Südamerikas kommen aus der freien Szene der einzelnen Länder. Ökonomisch geht es den unabhängigen Gruppen von Mexiko bis Argentinien nicht gut, künstlerisch geben sie den Ton an. Zudem konzentriert sich das Theaterleben häufig in der Metropole oder den großen Städten. Das ist auch in Chile so, wo Santiago mit einer beträchtlichen Zahl an Premieren aufwartet, die meist zwischen März und Dezember in knapp dreißig Häusern unterschiedlicher Größe stattfinden. Was quantitativ durchaus beeindruckend erscheint, ist allerdings vor dem Hintergrund der Tatsache zu sehen, dass viele Compagnien mit ausgesprochen knappen Budgets auskommen müssen. Ihre prekäre Situation heute hat ihren Ursprung in den wirtschaftlichen Bedingungen, die die zwischen September 1973 und März 1990 in Chile herrschende Diktatur schuf, um ihre Politik in allen Bereichen der chilenischen Gesellschaft durchzusetzen. Freie Theatergruppen hatten, um ihre Stücke auf die Bühne zu bringen und bekannt zu machen, keine andere Wahl als sich Produktionsformen zu unterwerfen, die sie zwangen, gegeneinander um Sichtbarkeit, Finanzierung und Quoten in den Theatersälen zu konkurrieren. Ein Blick in die soziale, politische und ökonomische Geschichte des Landes soll uns helfen, besser zu verstehen, was diese Produktionsformen für das Theater bedeuten.
Nach 1973 kommt es zu einem radikalen Wandel der Strukturen, die...