Früher war alles schöner: Vor zwei Jahren noch sonnte sich Wiesbaden im Kunstgenuss. Zur Biennale verstreute sich hübsch selbst gebasteltes Mobiliar im Park hinterm Theater, nur vereinzelt grasten dort Nilgänse auf dem Grün, und über der Kurstadtidylle baumelte das verheißungsvolle Festivalmotto „This is not Europe“ launig im Wind. Das tat niemandem weh, sah gut aus, und nachhaltig schien es auch zu sein. Diesmal ist es anders: krasser, uncharmanter, böser, und die beiden Kuratoren Maria Magdalena Ludewig und Martin Hammer haben schlechte Nachrichten im Gepäck. „Bad News“ lautet das vollmundige Motto. Erklärtes Ziel von Anfang an: das Festival herauszufordern, produktionstechnisch, moralisch sowie die Autorenschaft betreffend.
Zur Erinnerung: Hervorgegangen ist die Wiesbaden Biennale aus dem von Manfred Beilharz und Tankred Dorst erdachten Festival für europäische Gegenwartsdramatik „Neue Stücke aus Europa“, bei dem Autoren und Texte ausdrücklich im Vordergrund standen. Ludewig und Hammer interessieren sich indes nicht für Texte und höchstens ein bisschen für Autoren. Den meisten Wirbel dürfte ihre auf dem Platz der Deutschen Einheit aufgestellte Erdoğan-Statue entfacht haben, das Werk eines ungenannten Künstlers, bei dem es sich wohl um den Schweizer Christoph Büchel handelt. Auch der eingeladene bekannte Street-Art-Künstler Vincent Glowinski, der unter dem Pseudonym Bonom in nächtlichen Aktionen Häuserwände bemalt,...