Theater der Zeit

Geschichte des Schauspielhauses Chemnitz

von Annette Menting

Erschienen in: Schauspielhaus Chemnitz – Zwischen Zeiten und Räumen (01/2025)

Assoziationen: Sachsen Theatergeschichte Theater Chemnitz

Originaltitel in der Printausgabe: Zeit: Geschichte des Schauspielhauses Chemnitz

Stadttheater Chemnitz, Architekt Johann Traugott Heinig, 1838
Stadttheater Chemnitz, Architekt Johann Traugott Heinig, 1838Foto: In: Otto, „Beiträge zur Geschichte der Chemnitzer Theater“, 1951. Restauriert mit KI

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2.1 Actien-Theater, Stadt-Theater, Städtisches Schauspielhaus 1838-1951

Bereits 1805 gab eine bürgerliche Initiative den wesentlichen Impuls für die städtische Theatergeschichte, indem sie den Ersten Chemnitzer Theaterverein gründete und beschloss, einen Theatersaal in Schützes Hof, dem ehemaligen Hotel de Saxe, einzurichten.1 Ein Jahr später wurde die neue Spielstätte eröffnet und bis 1828 für Schauspiel und Oper genutzt. In der expandierenden Textilindustrie-Stadt entwickelte sich das Interesse an einem eigenständigen Theaterhaus, dessen Bau unmittelbar am historischen Stadtkern 1836 durch einen neugegründeten Actienverein initiiert wurde. Zwei Jahre später war das Theater nach Plänen von Johann Traugott Heinig fertiggestellt und wurde in der ersten Spielzeit 1938 mit zeitgenössischen Schauspielstücken wie Die Schule des Lebens (1835) von Ernst Raupach, Die Jungfrau von Orleans (1801) von Friedrich Schiller und Faust I (1808) von Johann Wolfgang von Goethe, neben verschiedenen Opernaufführungen, eröffnet. Die für rund 900 Zuschauer:innen geplante Spielstätte wurde zunächst als privates Actien-Theater betrieben. Der Rat der Stadt erwarb 1862 das Haus an der Theaterstraße und führte es seither als Stadt-Theater.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde ein zweites Theaterhaus errichtet, da die Stadt prosperierte und sich als Sächsisches Manchester im 19. Jahrhundert zu einem der weltweit wichtigsten Industriezentren entwickelt hatte. Unter der langjährigen Theaterdirektion von Richard Jesse wurde im Zuge des Stadtausbaus ein Neues Theater (1902–1909) am Königsplatz (seit 1922 Theaterplatz) nach dem Entwurf von Richard Möbius errichtet, das seit 1925 als Opernhaus genutzt wurde. Etwas später wurde das alte Stadt-Theater unter dem Intendanten Anton Richard Tauber umgebaut, wobei eine moderne Bühnentechnik installiert wurde. Außerdem erfolgte die Umgestaltung des Baukörpers mit neuem Säulenportikus am Haupteingang und Mittelrisaliten an den Längsseiten. 1925 wurde das zum Städtischen Schauspielhaus umgewidmete Theaterhaus wiedereröffnet und bot im Parkett und auf seinen drei Rängen Platz für 777 Zuschauer:innen.2

In Chemnitz lebten vor der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg rund 350.000 Einwohner:innen in einer dicht bebauten Stadt; in den letzten Kriegsmonaten, Anfang März 1945, wurden bis zu 80 Prozent der Stadt zerstört. Die Kartierungen des Zustands vor und nach 1945 zeigen die verheerenden Ausmaße der Stadtzerstörung insbesondere im Zentrum. Das zentral gelegene Schauspielhaus an der Theaterstraße war zwar stark beschädigt, allerdings standen die Umfassungsmauern und die Fassaden waren erhalten. Diese Bausubstanz wurde letztlich nicht für den Wiederaufbau gesichert, sondern Mitte 1951 abgebrochen und vollständig abgetragen. Zunächst hatte es 1946 noch vom Rat der Stadt eine Wiederaufbau-Lotterie für das Opern- und Schauspielhaus Chemnitz gegeben, 1947 hieß es allerdings aufgrund unzureichender Mittel, dass der Betrag ausschließlich für den Wiederaufbau der Oper genutzt werde.3 Das Schauspielhaus war bis 1949 noch fester Bestandteil in den frühen Aufbauplänen von Stadtbaudirektor Georg Funk, doch nach einem Amtswechsel gab es seit 1950 keine Perspektive mehr für seinen Wiederaufbau. Dies war nicht allein auf Finanzierungsfragen zurückzuführen, sondern auch auf die zunehmende Abhängigkeit der lokalen Stadtplanung vom staatlichen Ministerium für Aufbau und die nunmehr beschlossene Neugestal tung des Stadtzentrums mit neuer Verkehrsplanung und Ausbau der Ringstraße.4 Nach verschiedenen Ansätzen unternahm der Chemnitzer Architekt Gerhardt Lohs einen seiner letzten Erhaltungsversuche, indem er Ende 1949 bis Anfang 1950 der Theater-Intendanz, dem Oberbürgermeister und dem Rat der Stadt verschiedene Vorschläge für einen Theater-Pavillon unterbreitete. Der Pavillon-Entwurf sah Teile des Schauspielhauses zur Erhaltung vor – wie beispielsweise den Portikus und die ehemalige Kassenhalle, die für Theater- Werbung und -Kartenverkauf umgestaltet werden sollten.5 So wäre ein Fragment des Schauspielhauses auf dem geplanten grünen Mittelstreifen der Ringstraße erhalten. Lohs stellte sein Konzept gegenüber der Stadtverwaltung jedoch nicht mit seiner Erhaltungsabsicht vor, sondern verwies auf die Bemühungen, mehr Publikum für den Theaterbesuch zu gewinnen und entsprechend Werbung zu machen.6 Seine Entwürfe wurden im Auftrag des Rats der Stadt Anfang 1950 vom Stadtplanungsamt, Hochbauamt und von den Städtischen Theater geprüft, verhandelt und zunächst als provisorische Situation für umsetzbar befunden.7 Während Theater und Hochbauamt deutlich für den Entwurf plädierten, lehnte das Stadtplanungsamt ihn letztlich mit der Begründung, die Pläne würden einer optimierten Verkehrsführung im Weg stehen, ab.8 Daraufhin erfolgte am 22. Mai 1950 der Beschluss zum Abbruch der Theaterhaus-Ruine durch den Rat der Stadt.9 Die Ausführung der Abbrucharbeiten zog sich noch über ein Jahr hin. Das alte Schauspielhaus wurde im Juni 1951 vollständig abgebrochen – und damit im selben Jahr, in dem das Schauspiel mit dem umgebauten Festsaal des Altersheims eine verbesserte Spielstätte erhielt und die aufwändige Rekonstruktion des Opernhauses fertiggestellt wurde.10 1951 erfolgte außerdem die Umbenennung der Theaterstraße in die Wilhelm-Pieck-Straße, so dass der historische Theaterort im Stadtzentrum auch durch die neue Namensgebung überschrieben und die Erinnerungsspuren für die nächsten 40 Jahre verwischt wurden.11

Im Unterschied zum kriegsbeschädigten Schauspielhaus hatten die Bauarbeiten am ausgebrannten Opernhaus bereits im Frühjahr 1946 begonnen.12 In großen Lettern stand am Bauzaun: „Das Opernhaus wird das Theater des Volkes – Helft mit am Aufbau – Besucht die Städt. Theater“. Die baulichen Maßnahmen unterscheiden zwischen Außen- und Innengestaltung: Während der Baukörper und die Fassaden weitgehend rekonstruiert wurden, erfolgte im Inneren eine Erneuerung nach dem Entwurf von Karl Wilhelm Ochs und Walter Henn, um grundsätzliche Veränderungen und Verbesserungen zu erzielen.13 Die Foyers und der Saal wurden in ihrer Gestaltung vereinfacht, indem Stuck und Ornamente des neobarocken Originalbaus entfielen, um die Großzügigkeit des Raums zu betonen. Die drei Ränge des Saals wurden beibehalten, wobei die Sichtverhältnisse durch eine stärkere Akzentuierung der ersten beiden Ränge verbessert wurde. Die neue Bühnentechnik plante Kurt Hemmerling, der 1952 die Abteilung Theaterbau in der Bauakademie und 1960 das Büro für Technologie kultureller Einrichtungen beim Ministerium für Kultur begründen und leiten sollte. Sein Konzept für die Chemnitzer Bühne formulierte er mit Blick auf realistische Inszenierungen: „Die früher so hart gezogene Trennung zwischen Zuschauer- und Bühnenraum durch das ausgesprochene Proszenium muß einer Lösung weichen, die einer räumlichen Zusammenführung förderlich ist.“14 Für den Opernhausaufbau wurden auch geborgene Materialien des alten Schauspielhauses verwendet, das nicht mehr für den Wiederaufbau vorgesehen war.15 Das Opernhaus wurde als repräsentativer Ort der Theater Chemnitz wiederaufgebaut, während die Sparten Schauspiel und Operette in einfachen Provisorien untergebracht waren. Am 26. Mai 1951 wurde es mit der Ankündigung von Lenins Leitmotiv „Die Kunst gehört dem Volke“ an der Opernhausfront feierlich eröffnet. Zunächst wurde im Opernhaus auch Schauspiel aufgeführt, was Teil der Wiederaufbauüberlegungen war – im September 1951 hatte Faust I hier Premiere.16 Doch wurden die Intervalle zwischen den vereinzelten Aufführungen immer größer, bis der Schauspielbetrieb dort seit den 1970er-Jahren kaum mehr stattfand: „Die Oper war für Schauspieler eigentlich nicht günstig und ich habe mich dann mit dem Ensemble entschieden, dass wir nur noch in Ausnahmefällen in der Oper spielen – also eigentlich nicht“, kommentiert der damalige Schauspieldirektor Hartwig Albiro.17


2.2 Interim I: Adventhaus, Festsaal des Altersheims, Theater am Karl-Marx-Platz 1945–1976

In den ersten Nachkriegsjahren nutzte das Schauspiel-Ensemble verschiedene Orte als Ausweichspielstätten. Die erste Schauspiel-Aufführung war der Kreidekreis von Klabund am 21. Juli 1945 im Adventhaus.18 Die Kirche der Adventisten, einer protestantischen Freikirche, war 1923 errichtet worden. Sie liegt östlich vom Stadtzentrum im Lutherviertel, das weniger kriegszerstört war. Ihr großer Saal war auch Spielstätte der Oper, die hier eine Woche zuvor Verdis Rigoletto aufgeführt hatte. Der Saal konnte je nach Sparte und Aufführung in drei unterschiedlichen Größen für 258, 402 oder 484 Zuschauer eingerichtet werden; mit zusätzlich 111 Plätzen auf Sperrsitzen und Balkon. Die Städtischen Theater nutzten ihn bis 1951 für die Sparten Schauspiel und Oper.

Unweit vom Adventhaus befand sich am damaligen Karl-Marx-Platz das Städtische Altersheim mit Festsaal, der seit 1949 zur Spielstätte des Schauspiels provisorisch umgebaut wurde.19 Die Anlage war 1929 nach dem Entwurf des Stadtbaurats Fred Otto im gestalterischen Ausdruck der Sachlichkeit errichtet worden. Das Altersheim hatte ebenso wie das Adventhaus kaum Kriegsschäden und bereits 1945 wurde der Festsaal von den Chemnitzer Theatern genutzt. Am 16. September 1945 wurde er von der Operette Csárdásfürstin von Emmerich Kálmán als Spielstätte eröffnet. Nachdem die Operette wenig später in das ehemalige Ballhaus Marmorpalast umzog, kam es zu einem ersten Umbau des Festsaals und baulicher Ergänzung mit einem Garderobentrakt.20 Am 23. April 1949 erfolgte die „Eröffnung des neu errichteten [sic] Theaters am Karl-Marx-Platz“.21 Wenig später kam es erneut zu Baumaßnahmen im Bestand, indem das Zuschauerparkett erhöht wurde und der Einbau einer Drehbühne erfolgte. Am 5. April 1951 wurde das Haus mit Auch in Amerika von Gustav von Wangenheim wieder eröffnet.22 Damit war die Situation im ehemaligen Festsaal verbessert, jedoch bestanden weiterhin deutliche Einschränkungen mit lediglich rund 450 Plätzen, fehlendem Bühnenturm und fehlenden Räumen wie Probesaal und Magazin.23 1975 wurde der Ort des Theaters umbenannt und hieß nicht länger Karl-Marx-Platz, sondern Park der Opfer des Faschismus. Anfang der 1950er-Jahre war in der Anlage des ehemaligen Johannisfriedhofs und des damaligen Karl-Marx-Platzes ein Mahnmal zum Gedenken an die Opfer des Faschismus (1952) von Hanns Diettrich errichtet worden, das namensprägend für den Ort wurde. Die räumliche Situation des Theaters am Karl-Marx-Platz war im Vergleich zum alten Schauspielhaus äußerst provisorisch, insofern erklärt sich, dass in den Plänen zum Aufbau des Stadtzentrums von Karl-Marx-Stadt seit Mitte der 1950er-Jahre der Neubau eines Schauspielhauses verfolgt wurde.

Das Schauspiel-Ensemble erreichte mit seinen Aufführungen besonderes Renommee, das in der eigenen Beschreibung der Städtischen Theater zur künstlerischen Qualität und kulturpolitischen Wirksamkeit dargestellt wird:

Das geistig-kulturelle Leben des Bezirks und der Stadt Karl-Marx-Stadt wird zu einem wesentlichen Teil von den Städtischen Theatern Karl-Marx-Stadt gestaltet. […] Auf der Grundlage des Ministerratsbeschlusses wurden die Städtischen Theater Karl-Marx-Stadt in die Gruppe A eingestuft. Diese Einstufung erhielten die Berliner Theater sowie Theater Dresden, Leipzig, Rostock und Halle zuerkannt. Den Theatern unserer Stadt obliegt die Aufgabe, über den Bezirk Karl-Marx-Stadt hinaus durch Aufführungen mit hohem künstlerischen Niveau unseren Arbeiterbezirk zu repräsentieren.24

Mitte der 1970er-Jahre wurde das Theater von 120.000 Besucher:innen frequentiert, die aus Stadt und Bezirk sowie aus anderen Bezirken und aus Berlin kamen. Auch heute bezieht sich die Selbstdarstellung des Schauspielhauses auf die 1970er- und 1980er-Jahre und verweist auf eines der avanciertesten Häuser der DDR.25 Da dem Schauspielhaus seit den 1960er-Jahren das Studio angegliedert ist, in dem Schauspielstudierende nach ihrem Grundstudium in der Praxis ausgebildet werden, kamen von der Theaterhochschule “Hans Otto” Leipzig viele angehende Schauspielerinnen und Schauspieler an das Theater Karl-Marx-Stadt, die später als renommierte Künstler:innen auf ihre frühere Wirkungsstätte verwiesen.

Brand in der Nacht vom 4./5. Mai 1976

Eine deutliche Zäsur und zugleich ein Neubeginn für das Schauspielhaus ereignete sich nach rund 25-jähriger Spielzeit in der Nacht vom 4./5. Mai 1976 durch einen Brand, der unmittelbar nach der Generalprobe und vor der Uraufführung Tinka von Volker Braun ausgelöst wurde. Dabei wurden das Bühnenhaus und der Zuschauerbereich, einschließlich der gesamten Ausstattung, stark beschädigt. „Die Brandursache war fahrlässiges Verhalten eines Nachtpförtners“, heißt es später in einem Bericht.26 Der Brand wurde durch ein Ladegerät für ein Blitzlicht ausgelöst, das im Stellwerk der Unterbühne an das Stromnetz angeschlossen und nicht kontrolliert wurde. Das Blitzlicht sollte in der bevorstehenden Tinka-Aufführung eingesetzt werden.27 Die Proben des in Berlin zur Aufführung nicht-genehmigten Stücks waren von Stasi-Beobachtern begleitet, erklärt Hartwig Albiro. Er ist sich „ziemlich sicher, dass die Behörden, also konkret die Staatssicherheit, die Aufführung Tinka behindern wollte, vielleicht auch verhindern. Das ist aus dem Ruder gelaufen, denn die wollten das Schauspielhaus bestimmt nicht abbrennen, aber wir hatten bei Hinze und Kunze, auch eine Volker-Braun-Inszenierung, einen ähnlichen Vorfall.“28 In den 1970er-Jahren nahmen Staatskontrolle und Interventionen im Kunstbereich erheblich zu, was in der Ausbür gerung Wolf Biermanns im Herbst 1976 kumulierte. Die Petition von Intellektuellen der DDR gegen die Ausbürgerung unterzeichnete auch Volker Braun, dessen politische Wirksamkeit der Theaterkritiker Ernst Schumacher beschreibt: In Berlin sei kolportiert, der Generalintendant Gerhard Meyer „selbst habe das Theater angezündet, weil auf Brandstiftung nur fünf Jahre Gefängnis, auf die Aufführung dieses Braun-Stückes aber mindestens zehn Jahre stünden“.29 Unabhängig davon reagierte die Kulturabteilung beim Rat der Stadt unmittelbar und bereits einen Tag nach dem Brand wurde beschlossen, die Premiere von Tinka kurzfristig in den Kleinen Saal der Stadthalle zu verlegen. Weitere Ausweichmöglichkeiten für das Schauspiel sollten geprüft werden, um kurz zuvor fertiggestellte Inszenierungen wie Das Jahrmarktsfest zu Plundersweilern von Peter Hacks, Theaterwerkstatt I in der Regie von Irmgard Lange, Sendestörung von Károly Szakonyi spielen zu können. Dazu sollten neben größeren und kleineren Sälen in Karl-Marx-Stadt, wie dem Opernsaal, dem Museumssaal, dem Plenarsaal des Rats des Bezirks und dem Theaterclub in der Bahnhofsstraße, auch Orte außerhalb der Stadt für Spielmöglichkeiten einbezogen werden.30


2.3 Interim II: Kleiner Saal der Stadthalle und theater oben im Opernhaus 1976–1980

Während der rund vierjährigen Planungs- und Bauzeit für Wiederaufbau und Rekonstruktion des Theaterhauses 1976–1980 nutzte das Schauspiel verschiedene Spielstätten in der Stadt und im Bezirk. In Karl-Marx-Stadt wurden vor allem der Kleine Saal der Stadthalle und das theater oben im Opernhaus als Interimsspielstätten genutzt.


Kleiner Saal der Stadthalle 1976–1980

Der Kleine Saal der erst zwei Jahre zuvor fertiggestellten Stadthalle wurde bereits wenige Wochen nach dem Brand als Ausweichspielstätte genutzt, um am 29. Mai 1976 die Uraufführung von Tinka nachzuholen. Die Aneignung des Saals war aufgrund der räumlichen Gegebenheiten eine Herausforderung für die Inszenierung, denn sie war für die Guckkastenbühne des Schauspielhauses konzipiert. Es war nicht die erste Aufführung des Schauspiels an diesem Ort: Bereits im Oktober 1974 hatte Piet Drescher hier zur Eröffnung der Stadthalle inszeniert. Die erste Aufführung war Glanz und Tod Joaquin Murietas von Pablo Neruda, für die der Regisseur die Raumpotentiale der Arenabühne in dem neuen, variablen Kleinen Saal genutzt und in Spielanordnung und Bühnenbild eingebunden hatte. In der Interimsspielstätte wurden insgesamt acht Inszenierungen des Schauspiels in der Stadthalle gezeigt. Wenige Wochen nach Tinka folgte Die fromme Marta von Tirso de Molina; beide Inszenierungen waren Übernahmen aus dem Schauspielhaus in die Interimsspielstätte und folgten dementsprechend einer Guckkastenbühnen-Anordnung, ebenso wie die Inszenierung Jegor Bulytschow und die anderen von Maxim Gorki ein Jahr später. Die weiteren Aufführungen waren für den Raum des Kleinen Saals in Arena-Anordnung konzipiert. Von diesen Inszenierungen wird Der kaukasische Kreidekreis 1978 in der Regie von Hartwig Albiro hinsichtlich Raum und Aufführung in Kapitel 6 näher betrachtet: „Die erste Inszenierung, bei der wir den Raum des Kleinen Saals richtig erfasst haben, war der ‚Kaukasische Kreidekreis‘, Brecht in der Arena.“ Allerdings nutzte das Schauspiel die Stadthalle nach 1980 nicht mehr, da sie sich in der Praxis als ungeeignet erwies: „[S]ie ist außerordentlich ungünstig für Schauspiel, sowohl der Kleine wie der Große Saal. Wir haben notgedrungen nach dem Brand 1976 im Kleinen Saal gespielt. Wir haben lange gebraucht, bis wir uns angepasst haben – vor allem an die akustischen Bedingungen. Den Großen Saal haben wir gemieden.“31


theater oben im Opernhaus 1977–1980

Nach dem Brand des Schauspielhauses kam es noch einmal zu Aufführungen in der Oper, in der seit 1951 nur gelegentlich Schauspiel gezeigt wurde. Als Interimsspielstätte wurde in den Jahren 1977 bis 1980 allerdings nicht die große Bühne, sondern ein provisorisches Studiotheater im Dachgeschoss des Hauses für etwa 100 Zuschauer:innen eingerichtet, das aufgrund seiner Lage innerhalb des Hauses den Namen theater oben erhielt. Bei dem Raum handelte es sich um den Proberaum des Städtischen Orchesters, das zugunsten des Schauspiels in die Stadthalle auswich. Durch Eigenarbeit der Schauspieler:innen und der Bühnentechniker wurde der Raum zum theater oben umgestaltet und es entstand eine Experimentierbühne mit sehr dichter Atmosphäre. Allerdings gab es klimatische Probleme, es fehlten Garderoben und Bühnentechnik, so dass ständig improvisiert werden musste. Mit einer Theaterwerkstatt II der Regisseurin Irmgard Lange wurde die Studiobühne im Februar 1977 eröffnet; ihre Inszenierungen Das Nest des Auerhahns von Viktor Rosow war im März 1980 die letzte Premiere in dieser Interimsspielstätte. Das theater oben stand nach 1980 nicht mehr zur Verfügung, da dieser Raum bei der bevorstehenden erneuten Rekonstruktion des Opernhauses entfallen musste: „Das zur Zeit vorübergehend im Opernhaus eingerichtete ‚Theater Oben‘ (welches zu Beginn der Rekonstruktion geschlossen werden muß und nach dem Umbau als Musikerprobenraum benötigt wird) bestätigt schon nach den wenigen Vorstellungen den Bedarf in Karl-Marx-Stadt.“32 Die Entwicklung experimenteller Formate im theater oben hatte Einfluss auf den Wiederaufbau des Schauspielhauses, da sie zur Planung eines zusätzlichen, variablen Spielortes im Foyer führte.


2.4 Wiederaufbau, Rekonstruktion und Entwicklung des Schauspielhauses 1976–2022

Die Theaterleitung reagierte bereits einen Tag nach dem Brand, um in Übereinstimmung mit der SED-Bezirksleitung zu „Beginn der neuen Spielzeit die Bespielbarkeit des Schauspielhauses zu sichern.“33 In diesem Moment wurde noch von einer wenige Monate dauernden Instandsetzung bis Ende 1976 ausgegangen. Für die Abstimmung der erforderlichen Maßnahmen sollte ein Aufbaustab mit Vertretern der SED-Stadt- und Bezirkspolitik, der Stadtverwaltung, des Ministeriums für Kultur und der Städtischen Theater gebildet werden. Ihr Technischer Direktor Gerhard Schettler hatte schon eine Woche später, am 11. Mai 1976, einen umfassenden Fragen- und Auflagenkatalog für den Wiederaufbau des Schauspielhauses zusammengestellt. Dieser ging angesichts erforderlicher Brandschutzmaßnahmen über eine reine Wiederherstellung des Bestands deutlich hinaus, da ein Eiserner Vorhang und damit ein Bühnenturm vorgeschlagen wurde. Weiterhin wurden Räume für den Publikumsaufenthalt außerhalb des Saals gefordert, da die bisherige Ausstattung für ein Theater der Klasse A unter dem Mindeststandard lag.34

Der Brand löste in den Folgewochen Zugeständnisse von den verantwortlichen Politikern und den Beteiligten des Aufbaustabes für den Wiederaufbau des Schauspielhauses aus, die jenseits der üblichen Verfahrensweisen einer Planwirtschaft standen. Die außerordentliche Dynamik der ersten Abstimmungen und Planungsvorbereitungen, die sich angesichts der unmittelbaren Betroffenheit des Katastrophenfalls entwickelten, erzeugten großen Handlungsdruck und überführten die Absichtserklärungen letztlich in eine Umsetzungsphase. So fanden in einem sehr kurzen Zeitraum von Mai 1976 bis April 1977 sämtliche Abstimmungen mit den Planungsbeteiligten vor Ort und im Ministerium statt: zu Raumprogrammen, Entwurfskonzepten, Finanzierung, Einsatz von Baupersonal, Bauweisen und -material sowie Terminen. Es entwickelten sich Prozesse in allen Bereichen, die ineinandergriffen und das endgültige Programm für Wiederaufbau und Rekonstruktion des Schauspielhauses definierten. Die Bezeichnung der Baumaßnahme verweist auf die Errichtung des Theatersaals auf Teilen der noch erhaltenen Wände und Fundamente des Vorgängerbaus. Unabhängig davon wurde das Haus umfangreich erweitert mit Bühnenturm, großzügigem Eingangsbereich, Foyer, Gastronomie, Probebühne und Funktionsräumen; diese Aspekte sind in Kapitel 3.5 und 3.6 ausführlich dargestellt.

„Es war ein Schwarzbau an der Planwirtschaft vorbei“, beschreibt Hartwig Albiro den Wiederaufbau. „Den Begriff Schwarzbau hat Siegfried Lorenz im Gespräch mit mir 1980 gebraucht: ‚Das war der größte Schwarzbau der DDR, den wir gemacht haben. Das wäre heute nicht mehr möglich.‘“35 Der Begriff Schwarzbau ist angesichts der üblichen Planungspraxis zu kontextualisieren: Das Projekt entstand nicht etwa unabhängig von der zentralistischen Staatspolitik, sondern es konnte sich entwickeln, obwohl die erforderlichen Ressourcen nicht langfristig bereitgestellt waren. Der unmittelbare Wiederaufbau wurde möglich, weil der Brand und die Zerstörung als Katastrophenfall eingestuft wurden und insofern von einer langwierigen Projektierung innerhalb von Fünfjahresplänen abgesehen werden konnte. Siegfried Lorenz, Erster Sekretär der SED-Bezirksleitung Karl-Marx-Stadt seit 1976, wurde als theaterfreundlicher Politiker eingeschätzt, der Dinge ermöglichen wollte und den Wiederaufbau bis an die Staatsspitze vermittelte.36 Die anfänglich sehr ambitionierten Termine mussten angesichts von Programmerweiterungen und knappen Ressourcen zwar in der Folgezeit angepasst werden – doch nach vier Jahren Planungs- und Bauzeit konnte die Eröffnung des Theaterhauses am 5. Oktober 1980 mit Büchners Dantons Tod erfolgen. In den Beschlüssen zu Wiederaufbau und Rekonstruktion des Hauses 1976 bis 1977 war explizit formuliert worden, dass der Bau keine endgültige Lösung für das Schauspiel sei, sondern bei der Realisierung des erforderlichen Neubaus eine neue Funktion als Kinder- und Jugen dtheater erhalten könne. Insofern wurde die eingeschränkte Raumsituation des Hauses für rund 420 Besucher:innen akzeptiert. Damit bezog man sich auf die seinerzeit parallel laufenden Planungen für einen Neubau des Schauspielhauses im Stadtzentrum für etwa 700 Zuschauer:innen. Diese Konzeption wurde 1974 bis 1976 im Kontext einer erneuten Rekonstruktion der Oper erstellt und bis 1980 verfolgt. 1980 wurde im Rat der Stadt erklärt: „Das wiedererbaute Schauspielhaus ist keine Interimsstätte, sondern ein voll funktionierendes Schauspielhaus mit kompletten technischen Ausrüstungen.“37 Insofern sollte der Neubau des Theaters erst langfristig weiterverfolgt werden. 2015 kam es angesichts von Modernisierungsbedarfen zu neuen Debatten um den Standort Theaterplatz.

Die Spielplankonzeption zur Eröffnung des Schauspielhauses 1980 wurde bereits ein Jahr zuvor mit der Kulturpolitik abgestimmt: „Die bisherigen Schwerpunkte der Spielplanung (zeitgenössische Dramatik der DDR, russische und sowjetische Dramatik, nationale und internationale Klassik, Antike, internationales Volkstheater) sind auch in Zukunft verbindliche Ausgangspunkte. In der Perspektive zu diesem Programm sind Ergänzungen in folgenden drei Bereichen wichtig: Dramatik des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderte, Dramatik der sozialistischen Länder, progressive Dramatik kapitalistischer Länder der Gegenwart.“38 Das Schauspielhaus wurde am 5. Oktober 1980 eröffnet und in dem Festakt verwies Siegfried Lorenz, 1. Sekretär der SED-Bezirksleitung, auf Geschichte und Tradition des Theaters im sächsischen Arbeiterbezirk. „Das Ensemble deutete seine Haltung zum sozialistischen Volkstheater in einem Programm – ‚ … das höchste Ziel des Theaters ist die Wahrheit!‘ – an, das Texte von Lessing bis Volker Braun enthielt.“39 Die fünf Eröffnungsinszenierungen seien nicht auf eine einfache Formel nicht zu bringen, konstatiert der Kritiker Martin Linzer: „Büchner und Albert Wendt, Wampilow und Raditschkow, die Dramatisierung von Thomas Wolfes Romans. Nimmt man das heterogene Angebot als Versuch, ein neues Repertoire aufzubauen, das in den kommenden Monaten verbreitert werden soll durch Brecht und Heiner Müller, Ostrowski und Viktor Rosow (Übernahme von ‚Nest des Auerhahns‘), Goldoni und Caragiale, Schiller und Goethe (Wiederaufnahme von ‚Faust I‘ und seine Ergänzung durch der ‚Tragödie Zweiten Teil‘ zum Goethe Jubiläum 1982), so erkennt man unschwer, daß eine langfristige Spielplanpolitik ihre Fortsetzung findet, die sich orientiert an literarischem Anspruch, an den Bedürfnissen des Publikums im Territorium, nicht zuletzt an den Bedürfnissen des Ensembles.“40 Das Ensemble stellte sich als Kollektiv unterschiedlicher schauspielerischer Individualitäten vor ebenso wie „die fünf etatmäßigen Regisseure des Hauses […], die gleichfalls ein festes Kollektiv bilden, sich dabei aber doch durch unterschiedliche Handschriften ausweisen.“

1989 und danach

Das Schauspielhaus mit Großer Bühne und Foyertheater war knapp zehn Jahre in Nutzung, als es Anfang 1989 zur Einrichtung einer weiteren Spielstätte für und durch das Schauspielstudio kam. Die sieben Studierenden dieses Studios verfolgten eine stärkere Eigenständigkeit, gaben sich den Namen Dramatische Brigade und wollten mit einer externen, informellen Spielstätte einen eigenen Ort für ihre Inszenierungen schaffen.41 Der Intendant Gerhard Meyer hatte ihnen eine leerstehende Wohnung in der Elisenstraße 4 zur Verfügung gestellt, beschreibt Hasko Weber, der eines der sieben Brigade-Mitglieder und Regisseur war:

Das Haus war quasi abrissreif, aber Strom war da, Wasser war da, Toiletten halbe Treppe. Wir entschieden, in der ersten Etage eine Wohnung umzubauen, haben eine Wand rausgerissen, aus zwei Zimmern eins gemacht und eine Mini-Bühne mit 30 Zuschauerplätzen eingebaut. Das wurde die Spielstätte der Dramatischen Brigade, die sich damit irgendwie auch gründete. […] Wir haben alles selbst gemacht als Dramatische Brigade […] So entstand eine Gemeinsamkeit. Wir wussten, was dazugehört, damit Theater entsteht: Durch ein Verständnis für das Zusammenspiel der Dinge. Wir lebten in einer Zeit, die das provoziert hat.42

Zur Aufführung kam dort Schlötel oder Was solls, eine Komödie von Christoph Hein, mit dessen staatsironisierender Inszenierung die Brigade ins Visier der Staatssicherheit geriet. Ende des Jahres 1989 schrieb Hasko Weber in einem Offenen Brief unter dem Motto „Der Charakter unserer Zeit ist der des Zerfalls“, dass der Versuch, die Dramatische Brigade als halbexterne Gruppierung des Theaters beizubehalten, nicht fortgesetzt werde.43 Zwei Mitglieder hatten die Stadt und das Theater im Juli und im November verlassen, so dass die Schlötel-Inszenierung „nach 16 Vorstellungen in der selbständig ausgebauten Spielstätte“ in der Elisenstraße abgesetzt wurde. Zum 1. Januar 1990 wurden die an- deren Brigade-Mitglieder befristet für ein Jahr ins Schauspiel-Ensemble aufgenommen – damit waren der Status der Gruppe und der externe Spielort aufgelöst.44 Eine zweite und letzte Brigade-Inszenierung Klein Eyolf kam Mitte Februar 1990 nicht mehr in der Elisenstraße, sondern im Foyertheater des Schauspielhauses zur Aufführung.45

Zuvor waren das Schauspielensemble und die Dramatische Brigade im Herbst 1989 an den Protesten und friedlichen De- monstrationen in Karl-Marx-Stadt beteiligt. Dabei wurde der Luxor-Palast, der seit Frühjahr 1988 als Interimsspielstätte der Oper diente, am 7. Oktober 1989, dem 40. Jahrestag der DDR, zum Ort der friedlichen Revolution, indem dort „eine Lesung des Schauspielensembles mit Resolutionen und Texten neuer Organisationen“ stattfinden sollte.46 Bereits früh morgens

war der Luxor-Palast umstellt von Staatssicherheit, alle hatten denselben Mantel an und denselben Schirm dabei, wie in einem schlechten Film. Sie standen in Hauseingängen und hatten das ganze Areal abgegrenzt. Wir saßen in der Kantine und diskutierten, wie wir der Situation gerecht werden können. In einer Seitenstraße neben der Chemnitz formierten sich Leute in ziviler Kleidung, aber mit Bauhelmen. Das waren Einheiten der Kampfgruppen aus den Karl-Marx-Städter Betrieben, die als Erkennungszeichen diese Helme aufhatten. Es sammelten sich sehr viele Menschen auf dem Vorplatz an. Gerhard Meyer nahm mich beiseite und sagte: Hasko Weber, das sind viele Menschen, wir müssen jetzt auf- passen, dass uns hier nichts passiert. Dann wurde der Luxor-Palast gestürmt. Es ist nachweislich die Staats- sicherheit selbst gewesen, die die Türen aufgebrochen hat und damit Chaos erzeugte. Es war ein Hexenkessel!47

Die geplante Veranstaltung sollte aus Sicherheitsgründen nach draußen verlegt werden und die Menschen versam- melten sich auf dem Vorplatz, wo sich zwischen 800 und 1500 Menschen aus einem Impuls heraus als schweigender Demonstrationszug in Richtung Stadtzentrum in Bewegung setzten. „Wir liefen mittenrein, ohne Transparent oder ir- gendwas, verfolgt von den Kampfgruppen. […] Es war nicht ungefährlich und gab Verhaftungen, aber keine wie in Ber- lin, wo Hunderte in Rummelsburg eingesperrt wurden.“48 Am Abend desselben Tages wurde auch das Schauspiel- haus zum Ort des Widerstands, da beim Gastspiel des Staatsschauspiel Dresden seine tags zuvor aufgesetzte Re- solution durch den Schauspieldirektor Albiro verlesen wurde: „Wir treten aus unseren Rollen hinaus. Die Situation in unserem Land zwingt uns dazu. […] Machtgebrauch ohne demokratische Kontrolle und ohne Opposition führt zu Machtmißbrauch.“49 Auch Hasko Weber hatte eine Pro- testresolution formuliert und verlas sie am selben Abend in der Spielstätte der Dramatischen Brigade.50 „Abends lief in der Elisenstraße unsere Schlötel-Vorstellung, dort verlasen wir anschließend unsere Resolution. Der Text liest sich heute eher krude, man erkennt den Versuch einer offi- ziellen Sprache, den sozialistischen Sound, dennoch stand da eine klare Forderung nach freiem Denken und freier Äußerung.“51

In der Folge verließ der fünfundsiebzigjährige Intendant Gerhard Meyer (1915–2002) das Theater, das er ein Vierteljahrhundert gestaltet und geprägt hatte. Hartwig Albiro begleitete das Schauspiel nach der Wende durch die ersten Jahre der gesellschaftspolitischen Umbrüche bis 1996. Anfang der 1990er-Jahre kam es aus ökonomischen Gründen zu deutlichen Einschränkungen bei der Personalausstattung. Zugleich verließen einige der Schauspieler das Karl-Marx-Städter Ensemble, um an Berliner Theatern zu arbeiten wie der Schauspieler Gerd Preusche, der mit Frank Castorf am Deutschen Theater und an der Volkbühne Berliner weiterarbeitete, oder Dietmar Huhn, der zunächst an der Volksbühne und dann regelmäßig im Film spielte. Im Schauspielhaus kam es Anfang der 2000er-Jahre zu ersten Um- und Einbauten, indem eine Erweiterung durch einen hofseitigen Theaterclub-Anbau auf Wunsch des Schauspieldirektors Manuel Soubeyrand erfolgte und im weitläufigen Foyer die Kleine Bühne eingebaut wurde. 2011 zog das Figurentheater ins Schauspielhaus und nutzt seither die Kleine Bühne. Zugleich ließ Schauspieldirektor Enrico Lübbe die Probebühne, als Studiobühne vor allem für Ur- und Erstaufführungen, zum Spielort Ostflügel umbauen. Als 2013 Carsten Knödler neuer Schauspieldirektor wurde, ent- wickelte er die Foyerbühne als weiteren, informellen Spielort. Schauspiel und Figurentheater zogen aufgrund von dringend erforderlichen Modernisierungsmaßnahmen 2021/2022 nach Altchemnitz in den Spinnbau, der für die nächsten Jahre Interimsspielstätte sein wird.


2.5. Von der Puppenbühne zum Figurentheater im Schauspielhaus 1951 – 2022

Chemnitz hat eine lange Puppentheater-Tradition, die sich seit dem 19. Jahrhundert entwickelt hatte und mit 19 Amateur-Handpuppenbühnen und zwei Berufs-Handpuppenbühnen bis Mitte der 1930er-Jahre stark ausgebaut war.52 1951, im Jahr der Eröffnung des Opernhauses und der Wiedereröffnung des Schauspielhauses, wurde die Städtische Puppenbühne Chemnitz am 3. Dezember als erstes kommunales Puppentheater der DDR gegründet, was mit der besonderen Wertschätzung dieser Theatersparte in der Sowjetunion korrespondierte.

Als der weltberühmte sowjetische Puppenspieler, Prof. Sergej Obraszow, im Jahre 1951 mit seinem Puppentheater durch die DDR reiste, bewies er mit seinem Programm für Erwachsene, daß das Puppenspiel eine vollwertige Theatergattung wie Oper, Operette und Schauspiel darstellt. […] In Karl-Marx-Stadt wurde 1951 nach dem ersten Besuch von Prof. Sergej Obraszow durch die tatkräftige Unterstützung des Rates der Stadt die erste Städtische Puppenbühne der DDR gegründet.53

Der erste Theaterleiter war Gerhard Diezmann und zusammen mit seiner Frau Hanna inszenierte er ein erstes aufwändiges Puppenspiel: Die Entführung aus dem Serail nach der Oper von Wolfgang Amadeus Mozart, das von Sängern und Kammerorchester begleitet und in dem vom Schauspiel genutzten Theater am Karl-Marx-Platz am 3. Dezember 1951 aufgeführt wurde. Die Puppenbühne konzentrierte sich in den nächsten Jahren vor allem auf das Spiel mit Hand- und Stabpuppen, das in wechselnden provisorischen Spielstätten gezeigt wurde. Im März 1955 bezog sie Räume in der stadteigenen Alten Aktienspinnerei (1859) am Schillerplatz/Straße der Nationen, die sie rund 40 Jahre nutzte.54 Der schmale August-Friedel-Saal bot Platz für 244 Zuschauer:innen. Die Behelfsmäßigkeit dieser Spielstätte wurde 1962 in einer Ratsvorlage deutlich formuliert:

Das Puppentheater benötigt ihr [sic] neues Haus schnellstens, da die derzeitige Unterbringung zusammen mit dem VEB Kraftverkehr im Haus am Schillerplatz eine unerträgliche Situation darstellt. Die zwangsläufig durch den VEB Kraftverkehr verursachte Geräuschkulisse gestattet den Mitarbeitern des Puppentheaters keine vollwertige Arbeit und beeinträchtigt ebenso negativ die Gegebenheiten für die Besucher. Die Eltern nehmen auch vielfach davon Abstand, ihre Kinder in dieses Verkehrszentrum zu schicken.55

Der Stadtrat verabschiedete den Beschluss zum Investiti- onsvorhaben, mit dem 1964 bis 1965 ein Puppentheater mit rund 260 Plätzen geschaffen werden sollte. Als Standort war der Rosenhof vorgesehen, nachdem frühere Vorschläge zum Standort am Zentralen Platz um 1960 verworfen worden waren.56 In den Plänen der 1960er- und 1970er-Jahre zum Wiederaufbau des Stadtzentrums finden sich sowohl für das Puppentheater als auch für das Schauspiel jeweils Standorte für einen Neubau, allerdings wurden diese Vorhaben nicht umgesetzt.

1993 wurde das Puppentheater an die Städtischen Theater Chemnitz angeschlossen, das somit ein Fünfsparten-Theater wurde. Aufgrund des baulich-räumlich unhaltbaren Zustands in der Aktienspinnerei bekam es 1996 zwar eine neue, allerdings kaum geeignete Spielstätte im Luxor-Palast, der bereits bis 1992 als Interimsspielstätte während des Opernhaus-Umbaus gedient hatte. Inzwischen war der Luxor-Palast als Kinohaus mit mehreren Sälen eingerichtet, von denen einer dem Puppentheater bis zum frühen Abend zur Verfügung stand; danach wurden im selben Raum Filme gezeigt. Das brachte ungünstige Rahmenbedingungen hinsichtlich Verfügbarkeit, Sichtverhältnissen und Raumausstattung mit sich. „Also konnten wir abends nicht probieren, nicht umbauen, nicht spielen“, beschreibt Manfred Blank, damaliger Direktor des Puppentheaters, die Situation. „Und der Saal hatte eine gedämpfte Kino-Akustik, sodass wir nur schwer zu verstehen waren. Ausgestattet war er mit Kinositzen, bei denen Kinder kaum über die Lehne sehen konnten – wir haben uns mit Sitzkissen beholfen. Und schon die erste Reihe war vier bis fünf Meter von der Bühne entfernt. In der letzten Reihe war nur noch zu ahnen, was wir spielten.“57 2001 erfolgte die Umbenennung der Sparte von Puppen- zu Figurentheater, da zum Ausdruck gebracht werden sollte, dass nicht mehr ausschließlich mit Hand- oder Stabpuppen oder Marionetten, sondern auch mit Objekten und Gegenständen gespielt wird.58 Als der Luxor-Palast den Kinobetrieb aus Rentabilitätsgründen 2011 einstellen musste, wurde das Figurentheater quasi ortlos. Es bezog im selben Jahr, zu seinem 60-jährigen Bestehen, mit der Kleinen Bühne im Schauspielhaus seine neue Spielstätte. Zu den Nutzungsmöglichkeiten dieser 2003 entstandenen Bühne hatte der damals verantwortliche Schauspieldirektor Manuel Soubeyrand seinerzeit erläutert, sie sei „nicht nur ein Ort für die ‚kleine Form‘, die wir bislang ja praktisch kaum aufführen konnten, ein Ort vielleicht auch, wo dereinst das Figurentheater sich ansiedeln könnte“.59 Drei Jahre nach Einzug des Figurentheaters ins Schauspielhaus wurde Gundula Hoffmann 2014 seine neue Direktorin.

 

1 Vgl. Otto, Karl: „Beiträge zur Geschichte der Chemnitzer Theater“, in: Müller, Hans: Festschrift zur Eröffnung des Opernhauses Chemnitz 26. und 27. Mai 1951, Chemnitz 1951 (o. S./30).

2 Vgl. Städtische Theater Chemnitz: Ausgefüllter Fragebogen zum Handbuch „Das Deutsche Theater“ des Generalbauinspektors für die Reichshaupt- stadt, Büro von Lüpke, vom 3.1.1941. Archiv: Architekturmuseum der Technischen Universität Berlin, Theaterbausammlung, Inv. Nr. TBS 084,01.

3 „Der Reingewinn der Theater-Lotterie im Betrag von rund ½ Millionen RM wird restlos für den Wiederaufbau des Chemitzer Opernhauses verwendet. Die Summe reicht bei Weitem nicht aus, das Theater in der früheren Form wiederherzustellen, so daß zur Beseitigung des Kriegsschadens noch weitere Mittel beschafft werden müssen.“ (Rat der Stadt Chemnitz, Bürgermeister: Schreiben an Finanzamt, Steueramt Chemnitz-Stadt vom 30.8.1947. Stadtarchiv Chemnitz: A 0316, Rat der Stadt, 1945-90, Sign. 17974).

4 Vgl. Stadt Chemnitz, Stadtplanungsamt: Schreiben an das Büro des Oberbürgermeisters vom 15.3.1950 Betr. Theaterwerbung im ehemaligen Schau- spielhaus. Stadtarchiv Chemnitz: A 0301, Sign. 11080, S. 270-270b.

5 Zum „Ausbau der noch vorhandenen Säulenhalle am Schauspielhaus“ erläutert der Architekt: „In diesem Entwurf ist hinter dem einen Schaukasten der Vorverkauf für die Theater und hinter dem zweiten, ein kleiner Verkaufsraum für die HO vorgesehen.“ (Lohs, Gerhardt: Schreiben an die Intendanz der Städtischen Theater Chemnitz vom 19.11.1949. Stadtarchiv Chemnitz: A 0301, Sign. 11080, S. 260).

6 Der Architekt Lohs verweist auf die geringen Besucherzahlen der Theater und empfiehlt Werbung, indem der „vorzügliche erhaltene Säulenvorbau“ des Schauspielhauses „zu einem repräsentativen Schau-Pavillon der Chemnitzer Theater“ ausgebaut werden sollte. (Lohs, Gerhardt: Schreiben an die Intendanz der Städtischen Theater Chemnitz undatiert, vor dem 19.11.1949). Stadtarchiv Chemnitz: A 0301, Sign. 11080, S. 261-262b).

7 Die Hauptabteilung Hochbau schätzt das Vorhaben positiv ein und schreibt an den Bürgermeister Riesner: „Die Errichtung eines pavillonartigen Baus an der Stelle des Schauspielhauses kann eine reizvolle Bereicherung des Straßenbildes ergeben.“ (Stadt Chemnitz, Hauptabteilung Hochbau: Schreiben an den Bürgermeister Riesner vom 9.1.1950. Stadtarchiv Chemnitz: A 0301, Sign. 11080, S. 265).

8 Das Stadtplanungsamt hatte Anfang Januar 1950 erklärt, dass für die zukünftige Verkehrsplanung mit einer Beseitigung der Ruine gerechnet werde: „Die Erhaltung der Vorhalle und der Kassenhalle des Schauspielhauses und ihre Umgestaltung zu einem Werbepavillon für die städtischen Theater könnte daher nur als Provisorium gelten. Unter dieser Voraussetzung werden wir den sehr brauchbaren Vorschlag von Herrn Architekt Lohs gern un- terstützen.“ (Stadt Chemnitz, Stadtplanungsamt: Niederschrift vom 2.1.1950 zum Vorschlag Architekt Lohs zur Umgestaltung der Kassenhalle des Schauspielhauses für Theaterwerbung. Stadtarchiv Chemnitz: A 0301, Sign. 11080, S. 263/274). In seinem Schreiben von März 1950 bekräftigt das Stadtplanungsamt die Erfordernis zum zukünftigen Umbau der Theaterstraße für die Verkehrsführung und die Anlage einer Promenade. Daher müsse der geplante Theater-Pavillon vor Beginn der Baumaßnahmen wieder beseitigt werden. Angesichts der temporären Maßnahme wird ein Werbeerfolg hinterfragt und der Aufbau eines neuen Werbepavillons am Stalinplatz vorgeschlagen. (Vgl. Stadt Chemnitz Stadtplanungsamt, Schreiben 15.3.1950).

9 „Klärung der Frage des Abbruchs der Schauspielhausruine an der Theaterstraße. Obm. Müller führt hierzu aus, daß der Wiederaufbau des Schauspiel- hauses im Rahmen der zukünftigen Stadtplanung nicht erfolgen könne. Das stehe nunmehr nach vielen Erwägungen endgültig fest. Die Schauspielhausruine könne demnach restlos abgebrochen werden. Auch von einem Umbau eines Teiles der Ruine zu einem Werbepavillon muß Abstand genommen werden. Nach weiterer kurzer Aussprache beschließt der Rat, die Schauspielhausruine völlig abzubrechen.“ (Hastedt: Auszug aus dem Protokoll der 15. Ratssitzung vom 22.5.1950. Abschrift an die Ratskanzlei vom 23.5.1950. Stadtarchiv Chemnitz: A 0301, Sign. 11080, S. 255).

10 „Die Durchführung der Arbeiten wird sich über einen größeren Zeitraum erstrecken. Als vorläufiger Fertigstellungstermin ist der 30.6.1951 festgesetzt.“ (Stadt Chemnitz, Stadtplanungsamt, Sachgeb. Enttrümmerung: Aktennotiz vom 16.9.1950. Stadtarchiv Chemnitz: A 0301, Sign. 11080, S. 253).

11 Seit 1991 hat die Straße wieder den Namen Theaterstraße.

12 Vgl. Otto: „Beiträge zur Geschichte der Chemnitzer Theater“ (o. S./109).

13 Vgl. Ochs, Karl Wilhelm: „Das Zuschauerhaus“, in: Müller, Hans: Festschrift zur Eröffnung des Opernhauses Chemnitz 26. und 27. Mai 1951, Chemnitz 1951 (o. S./143—144).

14 Vgl. Hemmerling, Kurt: „Die moderne Bühnentechnik“, in: Müller, Hans: Festschrift zur Eröffnung des Opernhauses Chemnitz 26. und 27. Mai 1951, Chemnitz 1951 (o. S./152).

15 „Selbstverständlich war es für eine sparsame Verwaltung, daß die aus dem zerstörten Schauspielhaus geborgenen Materialien mit verwendet wurden.“ (Otto, „Beiträge zur Geschichte der Chemnitzer Theater“ (o. S./141)).

16 „Die Oper braucht die Illusionsbühne […] aber das in den Ausdrucksmitteln realere Schauspiel kann auf die Vorbühne heraustreten aus der Welt des Scheines in die Wirklichkeit des Auditoriums und sich mit den Hörern noch stärker verbinden, indem es die immer im Bühnenraum spürbaren Grenzen sprengt. […] Sicher ist, das alles wird in dem Hause darzustellen sein, denn man kann in jedem Opernhaus Schauspiele, aber nicht in jedem Schauspielhaus Opern aufführen.“ (Ochs, „Das Zuschauerhaus“ (o. S./143—144)).

17 Hartwig Albiro im Gespräch, Kapitel 7.1 dieser Publikation.

18 Vgl. Otto: „Beiträge zur Geschichte der Chemnitzer Theater“ (o. S./109).

19 Der Ort ist der frühere Johannisfriedhof, südöstlich der Johanniskirche, und trug bereits seit 1928 den Namen Karl-Marx-Platz bis er 1975 in Park der Opfer des Faschismus umbenannt wurde.

20 Vgl. Otto: „Beiträge zur Geschichte der Chemnitzer Theater“ (o. S./67).

21 Ebd. (o. S./111).

22 Ebd. (o. S./113).

23 Vgl. Rat der Stadt Karl-Marx-Stadt, Abteilung Kultur: Fakten zum wiederaufgebauten und rekonstruierten Schauspielhaus Karl-Marx-Stadt vom 30.9.1980. Stadtarchiv Chemnitz: A 0301, Rat der Stadt, Sign. 01653, S. 41—48.

24 Städtische Theater Karl-Marx-Stadt, Waury (Ökonom. Direktor) und Schettler (Techn. Direktor): Wiederherstellung und Teilrekonstruktion des Schauspielhauses bis zum 31.7.1977, Bericht vom 31.5.1976. Stadtarchiv Chemnitz: A 0301, Rat der Stadt, Sign. 2088, S. 253 (252—260). Die Darstellung ist Teil der „Konzeption zur Grundfondsreproduktion des Theaters“, die auch die Entwicklung der kulturellen Leistungen umfasste und „Aussagen über die kulturpolitische Wirksamkeit und künstlerische Qualität“ beinhalten sollte.

25 Vgl. Stadt Chemnitz (Hg.): Städtische Theater, Schauspiel. (https://www.chemnitz.de/chemnitz/de/kultur/staedtische-theater/index.html, Zugriff am 15.3.2022).

26 Rat der Stadt Karl-Marx-Stadt, 30.9.1980, S. 41—48.

27 Vgl. Ministerium für Staatssicherheit: 6. Mai 1976, Information Nr. 351/76 über den Brand im Schauspielhaus Karl-Marx-Stadt am 5. Mai 1976. Stasi-Unterlagen-Archiv, BStU, MfS, ZAIG 2624, Bl. 42–43 (https://www.ddr-im-blick.de/jahrgaenge/jahrgang-1976/report/brand-im-schauspielhauskarl-marx-stadt/, Zugriff am 1.10.2022).

28 Hartwig Albiro im Gespräch, Kapitel 7.1 dieser Publikation. Vgl. Möller, Karl-Hans/Verein Kunst für Chemnitz e.V. (Hg.): Nicht ohne Narrheit. Geschichte in Geschichten von und über Hartwig Albiro, Nürnberg 2008, S. 118-122.

29 Schumacher, Ernst: „Das kann nicht alles sein“, in: Hörnigk, Frank/Theater der Zeit (Hg.): Volker Braun Arbeitsbuch, Berlin 1999, S. 137.

30 Vgl. Rat der Stadt Karl-Marx-Stadt, Abteilung Kultur: Zwischenbericht über eingeleitete Maßnahmen – Komplex Schauspielhaus vom 6.5.1976. Stadtarchiv Chemnitz: A 0301, Rat der Stadt, Sign. 25304, S. 3.

31 Hartwig Albiro im Gespräch, Kapitel 7.1 dieser Publikation.

32 Rat der Stadt Karl-Marx-Stadt: Informationsvorlage für den 3.3.1977 – betrifft „Wiederaufbau und Teilrekonstruktion Schauspielhaus“ (ohne Datierung). Stadtarchiv Chemnitz: F 0204, Städtische Theater, Sign. 14397, S. 1—7.

33 „In Übereinstimmung mit der SED-Bezirksleitung besteht das Ziel, mit Beginn der neuen Spielzeit die Bespielbarkeit des Schauspielhauses zu si- chern.“ (Rat der Stadt Karl-Marx-Stadt, 6.5.1976, S. 4).

34 Städtische Theater Karl-Marx-Stadt, Technische Leitung, Schettler: Anlage 1 Offene Probleme bzw. zu erwartende Beauflagungen beim Wiederaufbau des Schauspielhauses vom 11.5.1976. Stadtarchiv Chemnitz: A 0301, Rat der Stadt, Sign. 25304, S. 1–2. Vgl. Rat der Stadt Karl-Marx-Stadt, Abteilung Kultur: 2. Zwischenbericht Komplex Schauspielhaus vom 12.5.1976. Stadtarchiv Chemnitz: A 0301, Rat der Stadt, Sign. 25304.

35 Hartwig Albiro im Gespräch, Kapitel 7.1 dieser Publikation. Vgl. Möller: Nicht ohne Narrheit, S. 121.

36 Vgl. Hartwig Albiro im Gespräch, Kapitel 7.1 dieser Publikation.

37 Rat der Stadt Karl-Marx-Stadt, 30.9.1980, S. 41–48.

38 Rat der Stadt Karl-Marx-Stadt, Abteilung Kultur, Stadtrat Uschpilkat: Informationsvorlage Rat der Stadt für die Sitzung am 20.9.1979, Spielplankonzep- tion 1980 der Städtischen Theater und der Stadthalle Karl-Marx-Stadt. Stadtarchiv Chemnitz: A 0316, Rat der Stadt, 1945-90, Nr. 16493, 1978–1979, S. 1–9.

39 Linzer, Martin: „Karl-Marx-Stadt: Schauspielhaus wiedereröffnet“, in: Theater der Zeit, H. 12, 1980, S. 73.

40 Linzer, Martin: „Karl-Marx-Stadt: Einheit in der Vielfalt, Zur Eröffnung des neuen Schauspielhauses in Karl-Marx-Stadt“, in: Theater der Zeit, H. 1, 1981, S. 10. Das Eröffnungsprogramm war mit fünf Premieren umfangreich, nach Dantons Tod von Georg Büchner folgten Die Dachdecker von Albert Wendt, Der Tanz auf dem Birnbaum von Jordan Raditschkow, Entenjagd von Alexander Wampilow und Schau heimwärts, Engel von Thomas Wolfe/Ketty Frings; sämtliche Aufführungen wurde in Theater der Zeit 1980/81 besprochen.

41 Zur Dramatischen Brigade gehörten in der Gründungsphase Frühjahr 1989 neben Hasko Weber auch Torsten (Roy) Borm, Beate Düber, Thomas Höhne, Andreas Möckel, Silke Röder und Jürgen Stegmann (Angaben von Hasko Weber).

42 Hasko Weber im Gespräch, Kapitel 7.2 dieser Publikation.

43 Weber, Hasko: „Brief an Martin Linzer“, in: Theater der Zeit, H. 2, 1990, S. 25.

44 Vgl. Ebd.; Hasko Weber beschreibt unter dem Titel „Der Charakter unserer Zeit ist der des Zerfalls“, dass die halbexterne Existenz der Gruppe nur noch bis zum 1.1.1990 bestehe und die einzelnen Mitglieder auf Grundlage befristeter Verträge bis 1991 ins Ensemble aufgenommen werden. Die Effektivität des Experiments sei auf ein Minimum reduziert, was durch Weggang von zwei Mitgliedern im Juli und im November des Jahres in den Westen verstärkt wurde.

45 „Im November wurde umgehend mit der Arbeit an einem neuen Projekt, Ibsens Klein Eyolf, begonnen, um die Dramatische Brigade substantiell zu er- halten. Aber nach weniger als drei Wochen gefährdeten technische Schwierigkeiten wie Heizungsprobleme und eine defekte Elektroanlage jegliche Weiterarbeit grundlegend. Der Punkt NULL wurde erreicht, als sich die Leitung der Städtischen Theater nach einem Versuch der Gruppe, zur Lösung der Probleme den Status der Dramatischen Brigade in den einer gleichberechtigten Sparte zu verändern, außer Stande sah, in Anbetracht der fort- schreitenden Desolation in allen Bereichen des Hauses die notwendige Soforthilfe zu leisten.“ (Weber, „Brief an Martin Linzer“, S. 25).

46 Hasko Weber im Gespräch, Kapitel 7.2 dieser Publikation.

47 Ebd.

48 Ebd.

49 Kuberski, Angela/Zentrum für Theaterdokumentation und -information (Hg.): Wir treten aus unseren Rollen heraus: Dokumente des Aufbruchs, Herbst '89, Theaterarbeit in der DDR, Band 19, Berlin 1990, S. 29.

50 „Wir wollen hiermit als Mitglieder unserer Gesellschaft dieses Schweigen durchbrechen und zum öffentlichen Dialog anregen, in dem Beschönigungen und ängstliche Selbstzensur keinen Platz mehr finden dürfen. Die Form des Protestes verstehen wir als letztes und erstes Mittel, den rasanten Verfall gesamtgesellschaftlichen Vertrauens aufzuhalten.“ (Reum, Monika/Steffen "Gullymoy" Geissler (Hg.): Auferstanden aus Ruinen – und wie weiter? Chronik der Wende in Karl-Marx-Stadt/Chemnitz 1989/1990, Chemnitz 1991, S. 48–49) (Auszug aus der Resolution der Städtischen Theater Karl-Marx-Stadt. Chronologie der Ereignisse, 7. Oktober 1989). Vgl. Kuberski, Wir treten aus unseren Rollen heraus, 1990, S. 36–37; 136–137; 323–327 (Erstfassung der Protestresolution der Städtischen Theater Karl-Marx-Stadt vom 5.10.1989, ergänzt 19.10.1989; Schreiben 23.10.1989; Demonstration „Trotz alledem!“ 20.11.1989).

51 Hasko Weber im Gespräch, Kapitel 7.2 dieser Publikation.

52 Vgl. Rebehn, Lars: Puppen- und Figurentheater Chemnitz. Unveröffentlichte Präsentationsfolien des Oberkonservators der Puppentheatersammlung SKD zum Vortrag am 15.5.2018 im Rahmen der Ringvorlesung zur Geschichte der Aktienspinnerei an der TU Chemnitz.

53 Rat der Stadt Karl-Marx-Stadt: Ratsvorlage Nr. /62 der Tagesordnung vom 19.7.1962, Stand 26.6.1962, Aufgabenstellung des Investitionsvorhabens „Städtisches Puppentheater“ im II. Bauabschnitt des Stadtzentrum Karl-Marx-Platz. Stadtarchiv Chemnitz: A 0301, Rat der Stadt, Sign. 11080, Bl. 165–182, S. 3.

54 Vgl. Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (Hg.): Alte Aktienspinnerei – Umbau und Sanierung zur Zentralbibliothek der Technischen Universität Chemnitz, Dresden 2020, S. 11.

55 Rat der Stadt Karl-Marx-Stadt, 26.6.1962, S. 3.

56 Vgl. N.N.: „Rosenhof“, in: Deutsche Architektur, H. 4, 1966, S. 215 (Lageplan).

57 N.N.: „Eine Truppe, die funktioniert, Das Figurentheater feiert sein 60-jähriges Bestehen – Manfred Blank ist 28 Jahre dabei und seit 16 Jahren Direktor“, in: Städtische Theater Chemnitz (Hg.): Theaterzeitung, Herbst 2011, S. 4.

58 Vgl. Kölgen, Ulrike: Von der Puppenbühne zum Figurentheater. 50 Jahre Puppen- und Figurentheater in Chemnitz, Chemnitz 2001. Vgl. Blank, Manfred/Theater Chemnitz (Hg.): 60 Jahre Figurentheater in Chemnitz, Chemnitz 2011.

59 Soubeyrand, Manuel: „Auferstanden aus Ruinen oder der Weg zu neuen Orten“, in: Möller, Karl-Hans/Müller, Harald (Hg.): Theater für die Stadt Chemnitz. Die Intendanz Rolf Stiska 1992–2006, Berlin 2006, S. 228.

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