Ein Hauch von Rauch
von Kevin Rittberger und Teresa Kovacs
Erschienen in: Der Messingkauf im Curazän – Eine Ästhetik der Verschränkung (02/2026)
Assoziationen: Bertolt Brecht René Pollesch

Brecht imaginiert als den idealen Zuschauer seines Theaters den Raucher. Wie der Theaterwissenschaftler Nicholas Ridout zeigt, verweist dieser Raucher auf einen spezifischen historischen Moment: den Moment, als das Bürgertum für sich selbst die Möglichkeit entwickelt, seine eigene Subjektivität zum Objekt seiner Untersuchung zu machen. Brechts Raucher ist der Bürger, der sich gegen den Bürger wendet; und mit ihm einher geht die Wendung des Theaters gegen das Theater. Der Tabak separiert den Bürger noch einmal vom Arbeiter – während der Bürger rauchend seiner intellektuellen Tätigkeit nachgehen kann, bedeutet das Rauchen für den Arbeiter eine Unterbrechung seiner Arbeit, weil er beide Hände zum Arbeiten braucht. „Wer heutzutage ohne Tabak lebt, lebt überhaupt nicht“, heißt es in Brechts Don Juan.
Der Journalist Michael Pollan hat untersucht, welchen Einfluss Kaffee auf das rationale Denken des europäischen Bürgertums der Aufklärung hatte. Im Kaffeehaus konnte selbstredend auch geraucht werden. Der Rauch stieg auf, verteilte sich, ging über in die Atemkreisläufe der anderen und umgekehrt, bis er sich schließlich wieder verflüchtigte. Die für das Denken und den Austausch stimulierende Wirkung des Koffeins und des Nikotins gingen Hand in Hand.
René Pollesch ist wahrscheinlich der einzige Regisseur, der überall im Theater rauchen durfte, und selbst wenn es...



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